Julian Plenti – Is… Skyscraper

Wer ist dieser ominöse Julian Plenti? Eine Frage, die höchstwahrscheinlich weniger von tragender Bedeutung wäre, würde es sich dabei nicht um Sänger, Songwriter, Gitarrist und Frontmann Paul Banks der New Yorker Band Interpol handeln. Seit über zehn Jahren steht das Quartett immerhin schon auf den Bühnen dieser Welt und verzaubert die Massen mit Ihren hypnotischen Riffs in abgedunkelter Atmosphäre des New Waves. Und es ist nicht der erste Seitensprung, denn auch Schlagzeuger Sam Fogarino veröffentlichte letztes Jahr mit seiner Zweitband Magnetic Morning das Debüt ‚ A.M ‚. Jedoch stellte sich das Unterfangen als Fehlgriff heraus. Und nach dem enttäuschenden Ausflug in uninspirierte Textpassagen mit fehlendem Tiefgang und innovative Melodien, will es also nun Julian Plenti alias Paul Banks besser machen. Und diesmal sollte der Funke überschlagen. Es ist fast schon eine kleine Überraschung geworden, wie unbekümmert Paul Banks an sein Nebenprojekt herangetreten ist. Das Debüt ‚ Julian Plenti is…Skycraper ‚ vermittelt nach einem kurzen Überblick den Eindruck eines Albums mit zwei Gesichtern. Die eine Hälfte zeichnet sich durch Bon Iver-artige Schlaflieder mit einem Schuss Folk aus, während der andere Teil ungestüm und treibend den Art Rock nach Vorne stampft. Die Platte, soviel lässt sich bereits zu Anfang sagen, ist wie die Schöne und das Biest. Zwei Gegensätze, die sich bekriegen, aufeinander einstechen und den Hörer selbst ahnungslos mitten im Kampfgeschehen aussetzen, nur um diese Faszination und Grausamkeit mit eigenen Augen erleben zu müssen. Aber es sind auch elf Songs die inspirieren, dunkle Schattenseiten mit experimenteller Komplexität erhellen und zu gleicher Zeit mit einer bezaubernden Mischung aus Einflüssen und Stilen den Hörer kompromisslos in Ihren Bahn ziehen. Zudem steckt viel Ehrgeiz in diesem Projekt, das die letzten Jahre über reifen konnte und Dank eines Computer Programms Paul Banks die volle Kontrolle über die Produktion erlaubte. ‚ Julian Plenti is…Scyscraper ‚ mischt Lieder aus dem letzten Jahrhundert wie ‚ Girl On The Sporting News ‚ mit neuem Material. Es finden sich sanfte Streichinstrumente mit Akustik Gitarren, Piano und Synthesizer auf ‚ Skycraper ‚ oder die totale Konfrontation auf ‚ Games For Days ‚. Alles lässt sich auf dem Debüt des New Yorker finden- vielleicht manchmal gar zu viel. Denn so schön der Ehrgeiz auch sein mag, zu viel kann sich negativ auf die eigene Arbeit auswirken. Ein wenig mehr Einfachheit und Anmut hätte der Platte mit Sicherheit sehr gut getan und deshalb bleibt das Debüt unter dem Strich keine Ansammlung von Songs, die am Ende eines Tages zum entspannen, oder als Begleitung beim Abendessen, unbedingt die erste Wahl sein werden. „We’ve been through shaky times, but I’m glad you found your way“, sagt er auf ‚ On The Esplane ‚ und damit kann man durchaus leben. Denn einmal von unten betrachtet, finden andere Bands nur noch selten den Schlüssel zu derarter Komplexität, wie es Paul Banks auf ‚ Julian Plenti is…Scyscraper ‚ erfolgreich umsetzen konnte. Und so ist das Debüt ein musikalisches Abenteuer und eine Vision, die es in diesem Jahr so noch nicht gegeben hat.

8.3