JAY SOM öffnet mit ANAK KO ein stilles Universum aus schwebenden Klängen, warmem Licht und innerer Reife. Melina Duterte lässt mit filigraner Intuition den Bedroom-Pop hinter sich und schreibt zwischen Los Angeles und Erinnerung ein neues Kapitel, das Intimität und Klangkunst in hypnotischer Balance hält.
Auf „Anak Ko“ gelingt Jay Som, bürgerlich Melina Duterte, eine jener seltenen Verschiebungen, die nicht laut nach Erneuerung klingen, sondern sie beiläufig vollziehen. Nach „Everybody Works“, jenem schillernden Durchbruch zwischen Lo-Fi-Pop und Shoegaze, dehnt sie die Struktur ihrer Songs aus, ohne deren zarte Spannung zu verlieren. Das Album, dessen Titel in Tagalog „mein Kind“ bedeutet, wirkt wie eine Selbstmitteilung, sanft, reflektiert und voller unaufdringlicher Stärke. Duterte, die lange als Inbegriff des Do-it-yourself galt, öffnet ihre Klangräume nun für Freundinnen wie Laetitia Tamko (Vagabon) oder Annie Truscott (Chastity Belt). Doch diese Gäste bleiben leise – „Anak Ko“ bleibt ihr intimes Terrain.
Von den ersten Tönen von „If You Want It“ an liegt über allem eine ruhige, fast meditative Konzentration. Basslinien ziehen Kreise, Gitarren flirren wie Hitze über Asphalt, und Duterte’s Stimme bleibt eine Spur entrückt, als würde sie von innen heraus leuchten. In „Superbike“ weitet sich der Sound zu einer Hommage an das Popgefühl der Neunziger, in „Peace Out“ verwandelt sich Bitternis in schwebende Entschlossenheit. Ihre Texte, oft fragmentarisch und zirkulär, evozieren mehr als sie erklären. Wenn sie in „Tenderness“ murmelt „tenderness is all I’ve got“, klingt das wie ein Geständnis, das sich weigert, dramatisch zu werden. Sie sucht keine Katharsis, sondern jene ruhige Form von Klarheit, die nach langen Nächten bleibt.
Auch visuell öffnet „Anak Ko“ eine eigene Welt: das Cover zeigt eine Figur, balancierend in einem orange getauchten Abend, zwischen Schatten und Licht. Es spiegelt die innere Bewegung dieser Musik – das fragile Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Loslassen, Erdung und Schweben. Jeder Track klingt wie eine Szene in dieser Landschaft, ein Moment kurz vor Sonnenuntergang, wenn alles seine Konturen verliert und sich trotzdem fester anfühlt als zuvor. Jay Som hat den Bedroom verlassen, nicht um lauter zu werden, sondern um stiller, genauer, wahrhaftiger zu klingen.
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