Jamie. T – Kings & Queens

Wieso fällt bei dem Namen eigentlich immer erst Jamie Oliver auf die Zunge? The Naked Chef mag zwar den gleichen Vornamen besitzen und aus England stammen, doch was interessiert mich primär das Kochen? Herzlich wenig. Keine Zeit, zuviel Arbeit und schlussendlich ist die Mikrowelle sowieso meine Herdplatte und Ofen. Natürlich ist die ganze Geschichte ungesund und nicht auf Dauer zu empfehlen. Doch diverse andere Ausreden werden hier mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen. Deshalb ohne Umschweife zurück auf das zentrale Thema: Jamie T und die zweite Platte ‚ Kings & Queens ‚. Ach, seltsam bleiben diese Umstände trotzdem. Nun gut. Konzentration. Tief einatmen und gemeinsam die positiven Resonanzen gebündelt auf die folgenden Worte fixieren: Es sind Untiefen, beeindruckende Schauspiele, die Visionen des modernen städtischen Lebens, der Eklektizismus in Person, das Puzzle aus 1000 Teilen und die mühsame Zusammensetzung einer zerbrochenen Glasscheibe. Es mangelt auf ‚ Kings & Queens ‚ keine Sekunde an interessanten Melodien, uneingeschränktes Engagement ist Vorrausetzung und verhalft am Ende dazu, die zweite Platte in ein erneutes Meisterwerk zu verwandeln. Es war diesmal ein schweres Unterfangen. Trotz beeindruckender Rezensionen und einer Mercury Nominierung für das Debüt ‚ Panic Prevention ‚ konnte sich das breite Publikum nicht für das Album begeistern. Vielleicht war die Aufnahmebereitschaft mit Mike Skinner und Just Jack bereits erschöpft. Doch aus welchem Grund auch immer, es war ein Jammer das diese Tapferkeit, ein Projekt als Soloartist zu stemmen, mit den perfiden Songwriting so wenig Beachtung geschenkt wurde. Aber glücklicherweise hat Treays von seinem wilden Charme über die Jahre hinweg nichts eingebüßt. Es ist immer noch der treffende Witz und die Weisheit, Geschichten auf andere Art und Weiße zu erzählen. Auch die Mischung zwischen schnellen Stücken am Anfang und den langsameren Songs wie ‚ Emily’s Heart ‚ und ‚ Jilly Armeen ‚ mögen zwar manchmal nicht komplett überzeugen, dafür bilden Sie einen harmonischen Reigen im klassischen Brit-Pop und gedrosselten Hip Hop. ‚ The Man’s Machine ‚ ist dagegen ein unglaublich trügerischer Gesang, erst lockt er den Hörer und einmal festgebissen, gibt es an dieser Stelle keine Entkommen mehr. Der Refrain ist so übermächtig wie alles, was er zuvor jemals geschrieben hat. Die Konkurrenz ist im Lager von Mike Skinner angekommen, keine Frage. Doch wer glaubt damit sei das Maß der Dinge erreicht irrt gewaltig. ‚ Spider’s Web ‚ könnte für die meisten der absolute Höhepunkt auf ‚ Kings & Queens ‚ darstellen. Erst ein paar Witze über Amerika, dann ein ironisches Lächeln auf dem Lippen und schlussendlich folgen als Endprodukt Verse, die jedes Mal ein anderes Instrument hinzufügen und einen bombastischen Zusammenschluss erzeugen, der noch Stücke weiter für einen kräftigen Nachhall sorgen wird. ‚ Kings & Queens ‚ ist das Glanzstück in der Karriere von Jamie T, dass es mehrmals neu zu entdecken gilt. Strukturell und mehrschichtig zementiert es seinen Standpunkt in der Musiklandschaft. Es ist nicht die Perfektion, aber verdammt nahe daran und wer weiß, vielleicht war das der entscheidende Schritt. Wir werden Ihn dabei in jedem Fall unterstützen und bis dahin nicht mehr an Jamie Oliver denken. Versprochen.

9.7