Interpol – Turn On The Bright Lights

TURN ON THE BRIGHT LIGHTS von INTERPOL ist ein dunkelherziger Indie Rock Klassiker. Es pulsiert wie kein anderes Album mit großartigen Basslinien und einer einzigartigen Stimmung.

Vielerorts verbrennt es derzeit den Boden von der herabfallenden Hitze, verwandeln selbst kalte und stets erfrischende Gebirgsbäche in lauwarmes Sprudelwasser. Die letzten Gerinsel suchen sich Ihren mühevollen Weg hinab ins Tal, die Fische kämpfen ums Überleben und wir Menschen suchen unsere letzte Zuflucht in den kühlen Behausungen. Auch wenn solche Tage dem Körper einiges abverlangen, die Sonnenstrahlen sich unter die Haut brennen und diese nach einiger Zeit eine leicht rote Färbung annimmt, darauf verzichten wollen die wenigsten. Muss man auch nicht, in Maßen genießen lautet die Devise und für den Zeitvertreib zwischendurch gibt es doch nichts schöneres, als kurzerhand die kürzlich hinzugekommene Lieblingsplatte aufzulegen. Gemeint ist natürlich das Debütwerk von den Herren Interpol und Ihrer Platte „Turn On The Bright Lights“, das derzeit bei vielen Menschen daheim oder unterwegs in Dauerrotation laufen dürfte. Hier ist es sogar von Vorteil, wenn die Sonne eine Pause bekommt und man sich und dem stechenden Licht eine Auszeit gönnt.

Denn die neue Platte entfaltet sich am Besten in leicht abgedunkelter Atmosphäre oder der einbrechenden Dunkelheit, die besonders bei den Live Konzerten zum Einsatz kommt. Der Grund liegt auf der Hand, es ist die Wirkung in den Songs, das Düstere, die Melancholie und die besitzergreifende Macht, die zusammen auf einen wirken sobald die ersten Takte an unser Gehör dringen. Den Anfang macht hier das unglaublich unter die Haut fahrende „Untitled“. Sanft ergreift es die noch zögernde Hand, entführt uns behutsam in eine bis hierhin unbekannte und unentdeckte Welt. Es ist der perfekte Einstieg in die Platte, es geschieht nichts plötzlich, alles hat seinen bestimmten Sinn der uns nur noch nicht im Klaren liegt. Doch das ändert sich im Laufe des Albums, Teile fügen sich zusammen und verbinden die Songstrukturen zu einem festen Gefüge. Jedes noch so kleine Detail hat hier seinen richtigen Platz bekommen, nichts wirkt überflüssig oder gar nebensächlich. Nachdem uns Interpol mit „Untitled“ in Ihre Welt entführt haben wird es auch mit dem zweiten Track „Obstacle 2“ Gitarren-lastiger und lauter.

An Fahrt nimmt die Platte allerdings nur stockend auf, denn immer wieder strömen zuckersüße Melodien aus der Feder von Sänger Paul Banks die in „NYC“ wunderschön von Gitarrist Daniel Kessler untermalt werden. Dann endgültig gewinnt für die nächsten zwei Songs die rockige Seite an Interpol die Überhand und zeigt Uns in „PDA“ Stilwechsel der Extraklasse. Ab Minute Drei werden die unruhigen und zerfahrenen Riffs kurzerhand in einem Stück abgetrennt, was folgt ist eine betörende Melodie die begierig in den Hörer aufgezogen werden will. Ganz im Gegenteil zu „Say Hello To The Angels“, das im ersten Moment wie ein Fremdkörper wirkt und erst im späteren Verlauf seine Fassade vollständig fallen lässt und dennoch einen gewagten Übergang zum Folgesong „Handy Away“ schafft. Das im Stile von „Untitled“ angelegte Stück fängt kühl und zielgerichtet an, seinen Weg zu verfolgen und offenbart nur langsam die große Vielfalt die sich im Laufe des Songs wie ein warmer Sommerregen niederlässt. Viel Zeit lassen sich Interpol bei „Stella Was A Diver And She Was Always Down“ bei über sechs Minuten und zeigen Ihre Stärken auch in den Überlängen, bevor mit „Roland“ einer der kurzen und rasantesten Songs folgt.

Unübertroffen ist dagegen „The New“, das bereits nach Minute Zwei Zuflucht in den düsteren Abgründen sucht, orientierungslos und wie bei einer Hetzjagd wechseln die Melodien im Minutentakt Ihre Strukturen, fangen sich in den dunkelsten und hässlichsten Ecken nur um dann als gewaltige Gitarrenmonster Ihre Riffs nach oben zu schleudern. Dort angekommen entspannt sich die Lage, die Dunkelheit weicht zurück und die Konturen nehmen wieder sanftere Züge an. „Leif Erikson“ ist wie ein Rückblick auf die Verwüstung die Interpol zurückgelassen haben. Einsam und innerlich zerrissen schleppen sich die Strophen im Gleichschritt nach Vorne, blicken immer wieder mit leeren und feuchten Augen zurück, bevor auch sie unvermittelt zu Boden stürzen und damit ein Werk zur Geschichte werden lassen. Interpol schaffen mit „Turn On The Bright Lights“ eine Platte, die von einem Höhepunkt der Gefühle zum nächsten schreitet, dabei legen es die vier New Yorker nicht darauf an, es haftet vielmehr an Ihnen wie der süße Honig an den eigenen Fingern. Diese Platte sollte sich definitiv niemand entgehen lassen.

10.0