Holly Golightly & The Brokeoffs – Medicine County

Es beginnt wie eine betörende Tanz-Szene im Western Pub zur Zeit der Indianer und Cowboys. Eine junge Lady schwingt die Beine über den Körper des sitzenden Mannes, die umliegenden Zuschauer jubeln, trinken Ihren staubtrockenen Whiskey und erfreuen sich an der Ihnen dargebotenen Show. Oder wir gehen in die frühen 1960er Jahre: Selbes Szenario, jedoch steht nun an der einen Wand eine Jukebox, randgefüllt mit 120 Platten: Das Geld wird in den Schlitz gesteckt, die Greifautomatik zieht den ausgewählten Titel auf den Spieler und die Nadel setzt ruckartig auf. Was dann durch die rauschenden Boxen sprudelt sind die verführerischen Klänge zu ‚ Forget It ‚ von Holly Golightly & The Brokeoffs. Es ist zugleich der Opener des neuen Albums ‚ Medicine County ‚ und zeigt nur ein kleines verschämendes Lächeln angesichts des Retro-Fetisches der britischen Sängerin Holly Golightly. Der nächste Track ist eine kriechende Country, Blues und Folknummer die eine Slow-Motion-Variante von den White Stripes sein könnte. Doch der gelegentliche Hauch von Exotik lässt unverwechselbare Eindrücke entstehen, die von dem psychedelischen Garage-Felsen in ‚ Eyes In The Back Of My Head ‚ gnadenlos angeheizt werden. Ein Zündstoff der vom Mondschein lebt, von Wolken durch die Winde zerstreut wird und traditionelle Schnitte in lieblichen und amateurhaften Selbstversuchen durchführt. ‚ Blood In The Saddle ‚ (bekannt geworden durch Tex Ritter) ist reichhaltig, gruselig und unbestreitbar schön. In dem Zusatz „The Brokeoffs“ befindet sich übrigens einzig der Rechtsanwalt Dave, dessen Paarung damit an ähnliche zeitgenössische Partnerschaften erinnert wie Mark Lanagan und Isobel Cambell, oder M. Ward und Zooey Deschanel. Doch was den Anderen fehlt, findet sich hier auf ‚ Medicine County ‚ wieder: Eine herrliche Boshaftigkeit die wohl Golightly aus Ihrer kleinen Vorstadtort vor London mitgenommen hat: „We’re so insular in how we work and wherever we live, we’re not exposed to an awful lot of what’s going on. We could be anywhere in the world, really. We live in our little bubble.“ Es ist eine Platte die sich hermetisch von allen äußeren Einflüssen abriegelt, eigene Regeln entstehen lässt und jeden der sich mehr als nötig heranwagt, misstrauisch beäugt wird. Holly Golightly & The Brokeoffs überzeugen auch nach über zehn Jahren mit der neuen Platte ‚ Medicine County ‚ auf ganzer Linie und zeigen damit eine unerschütterliche Eigenständigkeit, die Ihnen nicht hoch genug angerechnet werden kann.

8.0