Cymbals Eat Guitars – Lenses Alien

Wenn man den Blick zurückschweifen lässt, hat das Jahr 2011 durchaus so einige Triumphe feiern dürfen. Bon Iver, die Fleet Foxes und in großen Teilen auch Lykke Li mit Ihrem süßen Eklektizismus. Ein Jahr voller großer Gesten, dem endgültigen Durchbruch der Black Keys durften wir ebenso beklatschen, wie die weibliche Reinkarnation des Jack White in Form der vier Mädels von The Black Belles. Aber manchmal fürchtet man sich ein wenig, wenn man ein brillantes Debütalbum hört: Wird die zweite Platte ‚ Lenses Alien ‚ der Cymbals Eat Guitars nicht sehr dagegen abfallen? Es gibt hundert verschiedene Gründe weshalb man über dieses Album schreiben und sprechen muss und jeder wird überzeugender klingen als der zuvor gehörte. Der Shoegaze im Debüt stand den Cymbals Eat Guitars ausgezeichnet und mit einer stark verbesserten Musikalität im zweiten Werk schlüpft die Band nun massgeschneiderte Anzüge mit einer perfekten Passform. Die New Yorker gehen auf ‚ Lenses Alien ‚ alles eine Spur größer an. Der Gipfel wurde fokussiert, wütend stapfen die Cymbals Eat Guitars durch holprige Emotionen, wilde Energien und weitschweifende Panoramalandschaften – die glücklicherweise auch beträchtliche Atempausen mit sich führen. ‚ Rifle Eyesight (Proper Name) ‚ ist ein acht-und-einhalb-minütige Opener, der traditionellen Garage-Rock mit puren Noise-Rock und Shoegaze kreuzt. Viele Hardcore-Bands dürften an dieser Stelle vor Neid schwarz anlaufen. Und auch wenn die Platte im späteren Verlauf nicht mehr die Höhe des Eröffnungsstücks erreichen kann, unterhält diese doch in einem sehr gleichmäßigen Tempo. Das Hin- und Herspringen zwischen den genannten Genres (und noch ein paar anderen), lässt die Songs in Ihrer Gesamtheit sehr fesselnd auftreten. Egal ob es der eindringliche Instrumentalismus in Stücken wie ‚ The Current ‚, ‚ Shore Points ‚ und ‚ Gary Condit ‚ ist, oder die ultra-belesen Lyrics von Joseph D’Agostino, „Bring me to the world of guilt and sorrow for the races tonight/where the boats go cutting through undulating mirror images of incandescent spires/the roads there are parabolas with nameless water towers near the exits/you could turn it all on end still wouldn’t be taller than the biotic arch at the crown of creation“, aus dem Stück ‚ Definite Darkness ‚ Generell steigt das Niveau der Band parallel mit der Weitläufigkeit Ihrer Songs. Und auch die Balance zwischen Spannung und Entspannung im bereits angsprochenen ‚ Rifle Eyesight (Proper Name) ‚ ist fachgerecht verwaltet. Ein überzeugendes Album, welches mit einem potentiellen Selbstzerstörungsmechanimus versehen wurde – Genuss auf eigene Gefahr.