Hey Rosetta! – Seeds

Zu Beginn erfolgt auf dem neuen Album ‚ Seeds ‚ ein reduzierter, akustischer Ton, danach rammt Sänger Tim Baker seine kraftvolle Stimme zwischen die Strophen, streut die ersten Samenkörner und fliegt anschließend scheinbar zufällig vom Winde verweht, von Ort zu Ort. Das gleichnamige Titelstück zelebriert einen perfekten Aufbau mit donnernden Gitarren, Schlagzeug, Bass und Streicher-Arrangements. Der Song wird kompromisslos nach vorne getrieben und im Rückblick hören wir noch die nachhallenden Worte von Baker: „In a way it’s about what our lives had become, and how we’re like seeds that float around into different fields and cities, bringing something and trying to build something for the people that come to see us.” Hey Rosetta! stammen aus Kanada und bedienen sich im weiteren Verlauf der Platte an energetisch melancholischem Indie-Rock, der epische Folk-Musik als klare Selbstverständlichkeit einfließen lässt und so in einen mutigeren und rockigeren Sound übergeht. Man erinnere sich zurück: Das Debüt ‚ Into Your Lungs ‚ war hauptsächlich für langsame Anfänge und dann plötzlich explodierende Mittelteile bekannt. Ein früher Höhepunkt auf dem neuen Werk ist ohne Zweifel ‚ Young Glass ‚, welches nach dem Ende zum Roman „Franny and Zooey” von J.D. Salinger entstand. Tim Baker darüber: “It’s sort of directed at the novel’s main character, Franny…. it describes a sleepwalking scene that didn’t actually occur in the book, but one that I imagined. We spent a lot of time flying and sleeping on planes and in airports and I was always finding myself in half-waking states, feeling, as one does, all alone somewhere between dream and reality. When I’d wake up, I was always surrounded by people, going about their business. I like that; a sort of evidence that even when we think we are completely alone, we are not. So I wrote Franny, a character who is plagued by such thoughts, a song about it… but it’s really about everyone”. Ein weiteres Highlight ist ‚ Bricks ‚. Sentimental präsentiert Baker erneut seine stimmliche Erfahrenheit, deren Begleitung ein äußerst interessanter Gitarrenriff ist, sowie synkopierte Trommelschläge, deren gesamte Optik ein wenig an Radiohead erinnert. Leider kann ‚ New Sum ‚ dem nicht standhalten und schwächelt ebenso, wie das nächste Stück ‚ Downstairs ‚. Es benötigt hier ein neues Lied zwischen Traum und Wirklichkeit, dass abschweifende Gedanken einfangen kann und durch poetische Texte, lebendige Bilder in unsere Köpfe projiziert. Und Hey Rosetta! haben dafür ein überzeugendes Angebot in Form Ihres Songs ‚ Yer Fall ‚. Dieser verzaubert, erbaut sich einen steigenden Höhepunkt und kehrt gegen Ende sanft zu seinen Chören zurück. Insgesamt bietet ‚ Seeds ‚ vielschichtige Arrangements und bleibt trotzdem unglaublich eingängig. Hey Rosetta! erzählen dazu spannende Geschichten und wecken in Kombination mit Ihren wunderschönen Melodien ein stetiges Interesse, welches auch nach mehrmaligen Hören nicht abschwächen will. Wer bisher noch kein Fan der kanadischen Band war – nun bietet sich die perfekte Gelegenheit dazu. Subtile Nuancen sorgen für dauerhaften Nachhalt und die Musik ist leicht zugänglich – egal wann und an welchem Ort man ‚ Seeds ‚ auch immer hören möchte.