Grace Cummings – Refuge Cove

Das Letzte, was Grace Cummings möchte ist, typisch zu sein. Die klassischen Einflüsse der Sängerin aus Melbourne führen sie zu einem Album, das sich stolz keiner musikalischen Epoche unterordnet. Die neun Songs wirken wie Variationen einer krassen, psychedelischen Vision. Grace Cummings sorgte mit einem Bob Dylan-Cover für Aufsehen, das in ihrem Haus in Melbourne, Australien, gedreht wurde. Diese Aufführung war so brillant, dass sie einen Plattenvertrag mit King Gizzards Flightless Records bekam. Ein paar gut platzierte Requisiten in diesem Video bieten einen visuellen Einblick in das, was ihr Debütalbum „Refuge Cove“ so seltsam und fesselnd macht. Natürlich gibt es ein Foto von Dylan über ihrer rechten Schulter: ein immenser Einfluss auf ihr kühnes akustisches Klimpern, dem Spiel der Mundharmonika und dem traumwandlerischen Songwriting. 

Die volkstümliche Mischung aus Gitarre, E-Lead und Dylan-ischer Mundharmonika von „The Look You Gave“ bietet eine Vorstellung davon, was folgen soll. Die Texte suggerieren jedoch etwas ganz anderes: “the feather in my cap is blown away in an ocean of cold as the look you gave.” Nicht genau das, was wir von einer typischen Sängerin und Songwriterin erwarten. Bei der Frage “If I had no strength to fly/ would you be the one to lift me high?” füllt sie jede Note mit einem Gefühl der Sehnsucht, das wir alle irgendwie kennen. Cummings schreibt in der Welt des Metaphorischen und es gibt eine Offenheit in ihren Texten, auch wenn wir die Wahrheit, die gesagt wird, nicht vollständig entschlüsseln können. Grace Cummings Stimme lässt sich nicht verleugnen. Sie singt mit einer Kraft und Überzeugung, die uns als Zuhörer herausfordert, sich nicht von ihren Texten rühren zu lassen. 

Ihre klassischen Einflüsse führen uns zu einem Album, das sich stolz als veraltet anfühlt. Viele von ihnen sind in offenen Stimmungen geschrieben, so dass die tiefsten Saiten angenehm im Hintergrund klappern und die natürliche Bewegung ihrer Stimme und ihrer Worte ergänzen. Ein Gefühl der Unsicherheit bringt den Höhepunkt des Albums mit dem Song „Sleep“. In jedem Refrain vergleicht sie sich ungünstig mit einer Legende auf einem anderen Gebiet: dem Künstler Brett Whiteley, dem Big Star-Songwriter Chris Bell und Meryl Streep. Es mag nach Selbstverachtung klingen, aber Cummings betrachtet es als eine Art Bestätigung. Mit „Refuge Cove“ hat sie ihren eigenen Weg gefunden, der es wert ist, verfolgt zu werden.