GLUECIFER Same Drug New High
GLUECIFER kehren mit SAME DRUG NEW HIGH zurück: ein kompromissloses Rockalbum zwischen selbstbewusster Wiederholung, kontrollierter Energie und sichtbaren Brüchen im Spätwerk.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne neues Studioalbum kehren Gluecifer mit „Same Drug New High“ zurück in jenes Spannungsfeld, das sie einst selbst mitdefiniert haben. Die Band aus Oslo gehörte Mitte der neunziger Jahre zu jener skandinavischen Rockbewegung, die rohe Energie, Punkattitüde und klassischen Hardrock zu einer kompromisslosen Spielart verdichtete. Alben wie „Soaring With The Eagles At Night“ oder „Basement Apes“ lebten von unmittelbarer Wucht, klarer Haltung und einer fast beiläufigen Selbstsicherheit. Das neue Werk knüpft bewusst an diese Linie an, verweigert jede Form von Modernisierungsgeste und stellt sich damit einer heiklen Frage: trägt dieses Konzept im Jahr 2026 noch aus eigener Notwendigkeit oder lebt es vor allem von Erinnerung.
Der Einstieg mit „The Idiot“ setzt auf Vertrautheit. Der Song ist kurz, druckvoll, kantig, ohne Umwege. Es folgt der Titelsong „Same Drug New High“, der das zentrale Motiv des Albums offenlegt: Wiederholung als Programm. Diese Wiederholung ist nicht ironisch gebrochen, sondern als Bekenntnis formuliert. Genau hier wird das Albumcover zum Schlüssel: Die überzeichnete, fast groteske Inszenierung wirkt wie eine selbstbewusste Pose zwischen Selbstkarikatur und Ernst. Sie schärft den Blick auf ein Album, das Authentizität nicht über Entwicklung definiert, sondern über das bewusste Festhalten an alten Mustern. Diese Haltung durchzieht große Teile der Platte.
Musikalisch überzeugt das Album vor allem dann, wenn es die eigene Routine präzise einsetzt. „Armadas“ gewinnt durch seine gespannte Dramaturgie, „The Score“ lebt von kontrollierter Härte und einem Refrain, der sich nicht anbiedert. „Pharmacity“ und „1996“ arbeiten mit bekannten Versatzstücken aus Punkrock und klassischem Action Rock, bleiben dabei kompakt und zielgerichtet. Die Produktion ist trocken, direkt, ohne dekorativen Überschuss. Das Zusammenspiel der Gitarren bleibt klar umrissen, das Schlagzeug wirkt erdig, fast störrisch. Biff Malibu trägt die Songs mit einer Stimme, die an Ausdruck verloren hat, dafür an Charakter gewonnen. Zeilen wie „You know the score, you know the deal“ werden nicht ausgesungen, sondern gesetzt, beinahe beiläufig, was gut zum selbstgewählten Understatement passt.
Problematisch wird das Album dort, wo es versucht, den vertrauten Rahmen zu verlassen. „Another Night, Another City“ setzt auf Sleaze-Elemente, die im Kontext der Platte seltsam unfokussiert wirken. Die Komposition bleibt skizzenhaft, der Song findet keine klare Haltung. „On The Wire“ tastet sich in Richtung Post Punk und spaciger Strukturen, zieht diesen Ansatz jedoch nicht konsequent durch. Diese Stücke wirken weniger wie mutige Experimente als wie halb entschlossene Abweichungen, die dem Albumfluss schaden. Auch die Länge des Albums trägt dazu bei, dass sich gegen Ende eine gewisse Ermüdung einstellt, obwohl die einzelnen Songs handwerklich solide bleiben.
„Same Drug New High“ ist kein Comeback mit neuem Anspruch, sondern ein bewusst konservatives Statement. Das Album funktioniert dort überzeugend, wo es seine Grenzen akzeptiert und die eigene Vergangenheit präzise reproduziert. Es scheitert teilweise an dem Versuch, darüber hinauszugehen, ohne den Mut zur klaren Neuorientierung aufzubringen. Als kraftvolles Rockalbum mit klarer Haltung behauptet es sich über weite Strecken, als künstlerische Weiterentwicklung bleibt es fragmentarisch.
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