Frazey Ford – U Kin B The Sun

Auf „U kin B the Sun“, Ford’s erstem Album seit sechs Jahren, gibt sie tief berührende und inspirierende Aussagen: „It’s all yours, go get what you want. It’s your life,“ singt sie im eröffnenden Stück „Azad“ und behauptet „Don’t you waste no time believing that you can’t“, im kurz darauf folgenden „Money Can’t Buy.“ Und damit wir es auch alle glauben, wiederholt sie es erneut ausgiebig im Titelsong: „You can be the sun.“ Frazey Ford schreibt nicht irgendwelche Texte, sie hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich dafür sehr viel Zeit nimmt und hat ein Jahrzehnt mit dem von Bluegrass beeinflussten „Be Good Tanyas“ verbracht, bevor sie 2010 ihr Solo-Debüt gab. Es dauerte weitere vier Jahre, bis 2014 das grandiose zweite Album folgte (aufgenommen mit den legendären Hi Records-Studiomusikern) und nun wieder sechs Jahre, bis dieses, von Prince-beeiflusste, neue Album „U Kin B the Sun“ erschien.

Hier stimmt die Aussage, dass Qualität manchmal Zeit benötigt. Frazey Ford’s Kompositionen verfolgen charmanter Weise ein ähnliches Tempo und fließen in einer leicht lakonischen und anmutig schimmernden Stimmung dahin. Ford kombiniert ihre strahlende Ausgelassenheit auf sanften und funkigen Grooves, die Phil Cook (Megafaun) mit dem Keyboard, Bassist Darren Parris, Schlagzeuger Leon Power und Gitarrist Craig McCaul erbauen. Es ist eine leichte klangliche Abweichung zu den Wurzeln Ford’s vorherigen zwei Platten und ihrer Arbeit mit den Be Good Tanyas – aber eine willkommene. „Golden“ zum Beispiel hat dank Parris’ fröhlicher Basslinie eine ansteckend selbstbewusste Stimmung, und um das Ganze abzurunden, überzieht Cook den Song mit seinen funkelnden und glitzernden Tasten. 

Die Verspieltheit dieser fließenden Instrumentierungen ist gemacht für Tanz und die Liebe. Viele Titel dieses dritten Albums spiegeln eine ähnliche zurückhaltende, aber durchdringende Stimmung wider, wie zum Beispiel „Purple and Brown“ und „Motherfucker“. Ford singt dabei mit solch zurückhaltender und schwüler Leidenschaft und ähnlich wie bei Laura Nyro spürt man, wie sie förmlich darin verschmilzt. Das ist auch der Fall bei “The Kids Are Having None of It”, wo ihre Texte als Reflexion der Tagespolitik gesehen werden können, wenn sie singt: “All you deal is fear, the easy way to steal/The likes of you should never hold the wheel… The kids are having none of it.”

Alle Refrains auf „U Kin B The Sun“ schwingen sanft, harmonieren perfekt und bleiben sparsam im Erscheinungsbild. Die Ausnahme ist der abschließende Titeltrack, der beinahe über sechs Minuten andauert. Dieser kommt auf halbem Weg zum Stillstand und fügt sich dann wieder in einen dichten, traumartigen Klangstrudel ein, der reich an hallenden, mehrspurigen Gesängen ist, die positiv ekstatisch klingen. Die Stimmung in diesen Minuten ist berauschend und ansteckend, das perfekte Ende eines Albums, das sich für eine langsam brennende, bescheidene Art von Power entscheidet: es ist ein zurückhaltendes Vergnügen, aber dennoch ein Vergnügen.