Dogs – Tall Stories From Under The Table

Das Londoner Quintett galt 2004 als das Phänomen schlecht hin. Als echtes Musik-Industrie-Geheimnis mit drei Top 40 Hits, unzähligen Radioplays und einem konsequent, anarchisch und euphorischem Debüt. ‚ Turn Againt This Land ‚ glänzte auf sämtlichen Liveshows und wurde natürlich schon bald als das „nächste große Ding“ gehandelt. Vergleiche mit anderen Bands wie Razorlight blieben ebenso wenig aus, wie unzählige Interviews und Plattenverkäufe. Trotzdem, in Deutschland und dem Rest Europas blieben sie weitesgehend unbekannt. Eben ein Phänomen der besonderen Sorte, ist der Ruf doch meistens noch vor dem allerersten Song schon meilenwert als kleine Staubwolke am Horizont verschwunden, blieb er bei den Dogs brav an der kurzen Leine. Ohne knurren, ohne Quängeleien konnte die Gruppe also ganz relaxt zu Werke gehen und sich dementsprechend lange Zeit für ein Nachfolger Album Zeit lassen. ‚ Tall Stories From Under The Table ‚ erscheint auf Weekender und wurde von Steve Musters produziert. Zwölf lautstarke Titel, stachelig, Adrenalin-betriebene Punk-Pop-Songs, die aber letztendlich nicht mehr ganz so unvermittelt über uns herein brechen. Dafür bleiben die Texte von Sänger Johnny Cooke gewohnt lyrisch, mit viel Leidenschaft und Ironie auf das Märchen des modernen britischen Lebens. Musikalisch bleiben Sie ebenfalls auf höherem Mittelmaß. Stampfende Rhythmen, feurige Riffs und emotionsgeladene Drums zeigen sympathische Verwundbarkeit unter der dominierenden Rock-Prahlerei. Der NME war dagegen ganz anderer Ansicht, für das britische Musikmagazin des Who is Who taugten die Dogs gerade mal noch, um das Bein richtig zu heben. „An album to lift your leg on for sure“. Wir finden das nicht und sagen Pfui dazu. Das haben die Dogs nun wirklich nicht verdient. Die Platte kann begeistern, mitreißen und bleibt selbst in gediegenen Momenten tanzbar. Sie reihen die Melodien lustvoll aneinander und verschleppen die Songs nicht, wie es ansonsten gerne Ihrer Kollegen vormachen, wenn der geistige Stillstand eingetreten ist. Dogs präsentieren mit ‚ Tall Stories From Under The Table ‚ ein gutes Album, mit wenigen Abstrichen und vielen Momenten der Glückseligkeit. In diesem Sinne kann man nur hoffen, das die Herren aus London Ihre Unbekümmertheit nicht verlieren werden.

7.1