Eine nächtliche Irrfahrt durch das Labyrinth der eigenen Intimität: DEA MATRONA inszenieren auf ihrem neuen Album HATE THAT I CARE ein betörendes Vexierspiel aus bittersüßer Nostalgie und ungeschönter Härte.
Zwei Musikerinnen sitzen in einem offenen Cabriolet, umhüllt von einer tiefen, fast künstlichen Schwärze, die jede Orientierung im Außen nimmt. Das Artwork von “Hate That I Care” verweigert die klassische Pose des Aufbruchs; die Blicke von Mollie McGinn und Orláith Forsythe treffen weder einander noch die Kamera, sondern gleiten ins Ungewisse ab. Es ist eine visuelle Inszenierung von Isolation inmitten einer Bewegung, die das ästhetische Fundament dieses Albums perfekt abbildet. Die vermeintliche Freiheit der Straße wird zu einem intimen Kinoraum, in dem die Kulissen der Vergangenheit langsam an den Fenstern vorbeiziehen.
Dieses zweite Werk bricht spürbar mit den Erwartungen, die der unbeschwerte Blues-Rock des Vorgängers “For Your Sins” noch schürte. Das Belfaster Duo Dea Matrona entzieht sich der drohenden Formelhaftigkeit, indem es die Produktion komplett in die eigenen Hände legt und den Songs eine dichte, beinahe somnambule Atmosphäre verleiht. Die Gitarren greifen tiefer in die Ästhetik des Neunzigerehre-Alternative-Rock, während die Harmonien wie sanfter Nebel über unruhigen Basslinien liegen. Es ist ein suchendes, reifes Album, das seine Pop-Sensibilität unter einer rauen Schicht aus Gothic- und Grunge-Anleihen verbirgt.
Die lyrische Bewegung vollzieht diesen Rückzug ins Private konsequent nach. Im Titelstück wird die Zerrissenheit zwischen Nähe und dem schmerzhaften Bedürfnis nach Distanz greifbar, wenn die Zeilen „Are you gonna be there in the morning? / Are you gonna be there?“ wie ein unruhiges Mantra wiederkehren. Anstatt Antworten zu liefern, bricht die Musik in ein schneidendes Gitarrensolo aus, das die innere Paranoia eher verstärkt als auflöst. Diese Methode, schimmernde Melodien mit einer tief sitzenden Isolation zu kontrastieren, prägt das gesamte Album. In „My Own Party“ blicken Dea Matrona auf die eigene Entfremdung, indem sie gestehen: „Always feeling like an outsider at my own party / Making up excuses for my absence“.
Gemessen am unbeschwerten Vorläufer markiert dieses Werk eine deutliche Abkehr von kollektiver Euphorie hin zu einer introspektiven Innenansicht. Wo das Debüt noch vom ungeschliffenen Impuls des Straßenmusiker-Daseins lebte, dokumentiert die jetzige Abkapslung im Tourbus eine Verfeinerung des Songwritings, die stilistische Vielfalt über kalkulierte Eingängigkeit stellt. “Hate That I Care” manifestiert sich in der Gesamtkontextualisierung der Bandgeschichte als der Moment, in dem die ästhetische Unabhängigkeit endgültig die Oberhand über die Erwartungshaltungen des klassischen Rock-Establishments gewinnt.
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