Dardanelles – Mirror Mirror

Der Name dürfte hierzulande nur wenigen ein Begriff sein. War man dagegen schon einmal im Nordwesten der Türkei, dürfte man auf die schmale Meermenge gestoßen sein die das Ägäische Meer mit dem Marmarameer verbindet. Das Ganze hat viel mit Geschichte zu tun und war Schauplatz im 2. Perserkrieg, als der persische König Xerxes bei seinem Feldzug gegen Griechenland die Brücke, die sogenannte Hellespont, überquerte. Ebenso Alexander der Große im Jahr 334 v. Chr. der mit einer Armee aus etwa 35.000 Makedonen die Dardanellen überschritt. Danach folgte 1656 noch die Dardanellenschlacht in der es um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer ging bis schließlich 1936 der Vertrag von Montreux die Durchfahrtsreche regelte. Soviel also zur Geschichte der Dardanellen oder auf englisch gesagt ‚ Dardanelles ‚ ein Begriff der in Australien nun zu einer Band führen wird, die es seit zwei Jahren gibt und mit Ihrem Debüt für eine mittlerweile große Fangemeinde sorgen konnte. Kein Wunder, konnte sich Ihre gleichnamige EP über fünf Wochen in der australischen Alternative Radio Play List halten. Im Jahr darauf folgte dann die Debütplatte ‚ Mirror Mirror ‚ und wurde von der heimischen Musikpresse im Jahr 2007 als bestes und ehrgeizigstes australische Album betitelt. Von Melbourne ging die Reise los mit Rave- und Post-Punk in der Tasche und einer dicken Überraschung in Form eines Instrumental-Opener. Fast zaghaft beginnen die Melodien ineinander überzulaufen, schließen vorsichtig erste Verknüpfungen und leiten die Strukturen in feste Formen nur um dann mit dem Beginn der durchdringenden Gitarren wieder alles in tausend Einzelteile zu zerlegen. Die Dardanelles wissen mit der Spannung umzugehen, setzen Sie geschickt mit ein und erzeugen damit eine durchgehende Neugier seitens der Hörer. ‚ Alone Is Not ‚ folgt dann mit der tatkräftigen Unterstützung von Sänger Josh Quinn-Watson und schafft zugleich eine liebenswerte Art zu Gefallen. Die Platte weiß ebenso geschickt mit den Elementen Licht und Energie umzugehen wie sich jedem Genre zu entziehen. Laut eigener Aussage der Band herrscht bei diesem Thema eine nachgewiesen Verachtung:“genres are quicksand, so we write songs blind to genre walls“. Sieht man sich die Einflüsse der Dardanelles an darf man sich dessen unbesorgt sein, Avant-Klassik Pioniere wie Terry Riley und John Cage gehören hier genauso ins Sortiment wie Kraftwerk als deutsche Experimentalkünstler. Einer geheimnisvollen Reise wird man auf ‚ Mirror Mirror ‚ ausgesetzt die Ihren Höhepunkte auf ‚ Footsteps ‚ und ‚ One Plus One ‚ findet. Erster sticht durch seine schnellen und quietschenden Gitarren aus den sonst eher melancholisch gehaltenen Songs heraus. ‚ One Plus One ‚ lässt dagegen die Gitarren zappeln wie einen Fisch auf Land, verstümmelte Brazzriffs besorgen den Rest während im Gegenzug der Refrain einen fast schon vor den Kopf stößt, so plötzlich und perfekt auf den Punkt gebracht schaffen es in diesem Jahr eben nur die Dardanelles. Überraschungen gibt es einige auf ‚ Mirror Mirror ‚ und zeigen immer wieder neue Wege auf, die es noch zu erkunden gilt. Da passt es sich gut das nach Worten der Band die zweite Platte eine Abkehr zu Ihrer bisherigen sein wird. Doch bis dahin erfreuen wir uns an der Sammlung von Singles und einem schönen Endprodukt das keine Wünsche offen lassen sollte.

6.3