DAF Alles ist gut
Die kühle Präzision einer neuen deutschen Härte fegt den staubigen Muff der Bonner Republik von den Tanzflächen. DAF radikalisieren mit ihrem Album ALLES IST GUT den elektronischen Körperkult und setzen damit ein unüberhörbares Zeichen gegen die Gefälligkeit der hiesigen Popmusik.
Das Schlagzeug auf diesem Album verzichtet fast vollständig auf die zischende Zerstreuung von Becken oder Hi-Hats. Robert Görl konzentriert sich auf die dumpfe, hölzerne Unmittelbarkeit von Bassdrum und Toms, was den Rhythmen eine unnachgiebige, fast militärische Disziplin verleiht. Diese Reduktion markiert einen radikalen Bruch mit der verspielten Üppigkeit früherer Tage und lässt keinen Raum für ornamentale Ablenkung.
Innerhalb dieser kargen Architektur agiert Gabi Delgado-López mit einer Stimme, die eher befiehlt als singt. Die Texte bestehen oft nur aus wenigen, repetitiven Phrasen, die wie Parolen in den Raum gestellt werden. In “Sato-Sato” etwa wird die Aufforderung „Schwitzt, meine Kinder / Verbrennt euch die Hände“ zur rhythmischen Konstante, die jede individuelle Regung unter das Diktat des Taktes stellt. Diese sprachliche Verknappung korrespondiert mit der visuellen Inszenierung des Covers, auf dem der Schweiß auf der Haut nicht als Zeichen von Erschöpfung, sondern als Resultat einer gewollten, fast rituellen körperlichen Verausgabung erscheint. Die glänzende Oberfläche des Körpers wird hier zum Spiegel einer Musik, die keine Tiefe vortäuscht, sondern in der totalen Präsenz des Augenblicks aufgeht.
Deutsch-Amerikanische Freundschaft haben mit „Alles ist gut“ ein System der absoluten Kontrolle entworfen. Die elektronischen Basslinien der Korg-Synthesizer repetieren stoisch dieselben Intervalle, während jede Variation im Keim erstickt wird. Es ist eine Ästhetik der Verweigerung, die sich gegen die “Dalli Dalli”-Fröhlichkeit des Fernsehalltags stemmt. Selbst ein vermeintliches Liebeslied wie “Mein Herz macht Bum” verharrt in einer mechanischen Kälte, die jede romantische Sentimentalität ausschließt.
In “Der Mussolini” erreicht diese Strategie ihren Kulminationspunkt, indem religiöse, politische und ideologische Symbole zu bloßen Tanzanweisungen degradiert werden. Wer hier „den Jesus Christus“ oder „den Adolf Hitler“ tanzen soll, wird mit der Leere hinter den großen Begriffen konfrontiert. Die Musik von DAF ist die konsequente Antwort auf eine Gesellschaft, die ihre eigene Härte hinter einer Fassade aus Schlager und Gemütlichkeit verbirgt. Hier wird nichts mehr beschönigt, hier wird nur noch exerziert.
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