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CELESTE Woman Of Faces

2025

CELESTE kehrt mit WOMAN OF FACES zurück und legt ein intensives Seelenporträt vor, geprägt von Schatten, verletzlichen Rollenbildern und einer orchestral verdichteten Dramatik.

Die Geschichte hinter diesem Album wirkt wie eine tektonische Verschiebung im Leben einer Künstlerin, deren Karriere einst mit Vorschusslorbeeren überladen war. Celeste, gefeiert nach dem Sieg im BBC Sound of 2020, galt früh als neue Stimme des britischen Soul, getragen von Vergleichen mit Amy Winehouse und Adele. Ihr Debüt „Not Your Muse“ gelangte an die Spitze der Charts, wobei große Produktionen, ein breites Team und eine klare Erwartungshaltung das Fundament bildeten. „Woman Of Faces“ entsteht unter völlig anderen Vorzeichen. Ein einziger Produzent strukturiert diesen Neubeginn: Jeff Bhasker verdichtet Celeste’s Klang, nimmt ihr den ornamenthaften Überfluss des Debüts und setzt stattdessen ein düsteres, streng gefasstes Kammerspiel aus orchestraler Spannung und emotionaler Verdichtung. 

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Die Hintergründe dieses Albums durchziehen jeden Ton. Celeste schildert öffentlich den Kampf mit dem Label, das fehlende Unterstützung signalisierte und bestimmte Songs aufdrängen wollte. Trennung, Depression und kreative Erschöpfung bilden das unsichtbare Gewicht dieser neun Stücke, deren Atmosphäre kein komfortabler Zufluchtsort, sondern ein fragiles Feld aus Selbstbefragung, Kontrolle und Kontrollverlust ist. Der Albumtitel fungiert als Programm. „Woman Of Faces“ spiegelt ein Leben, das lange aus Rollen und fremden Projektionen bestand. Die Musik verweigert schnelle Eingängigkeit und setzt auf eine Glut, die beharrlich lodert, anstatt zu flammen. Der Titeltrack bewegt sich in einer bitteren Selbstdiagnose, die zwischen Selbstschutz und Selbstzerlegung oszilliert. Celeste formuliert eine Figur, die ihre Identität nicht neu erfindet, sondern neu zusammensetzt, immer wieder brüchig, immer wieder angreifbar. 

Der Song öffnet sich nicht, er zwingt dazu, seine Härte zu akzeptieren. Die orchestralen Linien erinnern an die großen Balladenstimmen der Siebziger, ohne nostalgisches Kalkül. Hier wird nichts geschönt. Der Effekt entsteht durch die Weigerung, Emotionen zu glätten. „On With the Show“ legt den Grundstein dieses Albums. Der Pianoeinstieg wirkt wie der Blick aus einem kalten Fenster, ein fast bleierner Klangraum, der zeigt wie erschöpft eine Künstlerin klingen kann wenn jede Haltung performativ wird. Die Zeile „and it is a little bit absurd my world spins on“ beschreibt die innere Müdigkeit direkter als jede stilisierte Ballade. Die Musik bleibt streng, fast spärlich, doch Celeste’s Stimme trägt die Spannung einer Figur, die weitersingt obwohl sie längst hätte verstummen können. „People Always Change“ greift die Thematik der Erstarrung auf. Während andere weiterziehen, bleibt sie verankert in einer Form von Identität, die sich nicht schnell genug wandelt. 

Das Arrangement verweigert rhythmische Impulse. Stattdessen verschiebt sich Gewicht über harmonische Nuancen, die sich langsam auftürmen. Das Albumcover reflektiert diesen inneren Konflikt. Zwei Gesichter, zwei Körper, zwei Spiegelungen im Moment der Selbstbefragung. Die Pose, die dunklen Federn, das matte Licht im Raum erzeugen ein Gefühl von Klaustrophobie und Kontrolle. Die visuelle Verdoppelung findet ihr Echo im musikalischen Spiel mit Masken und Brechungen. Interessant wird „Woman Of Faces“ immer dann, wenn Celeste den engen Rahmen kurz sprengt. „Could Be Machine“ entfaltet einen harschen elektronischen Impuls, der wie ein Stromschlag in den ansonsten frostigen Ablauf fährt. Der Song bleibt zwar inhaltlich in der Themenwelt des Albums verankert, setzt aber ein Zeichen der Entladung, das dem Gesamtwerk gut tut. Die Frage „could we be machines?“ wird zur rhetorischen Brechstange gegen jede Form emotionaler Betäubung. 

Aber gerade dieser Bruch zeigt auch die strukturelle Schwäche der Platte. Der einheitliche Tonfall erzeugt über die volle Laufzeit ein Gefühl von Monochromie. Die Reduktion ist als Haltung nachvollziehbar, nimmt aber dem Album dramaturgische Luft. Celeste’s Stimme trägt viel, vermutlich mehr als sie müsste. Die Stücke entwickeln im Einzelnen große Intensität, verlieren jedoch in ihrer Aneinanderreihung an Profil. Im Finale findet die Platte ihre klarste Aussage. „This Is Who I Am“ wirkt nicht wie eine triumphale Selbsterhebung, sondern wie ein nüchternes Eingeständnis. Die Stimme erhebt sich, bleibt aber verwundet. In dieser Ambivalenz liegt die stärkste Qualität des gesamten Werks. Celeste formt kein Manifest und auch keine Abrechnung, sondern einen Zustand. „Woman Of Faces“ gelingt immer dann, wenn die Künstlerin die Unruhe ihrer Selbstverhandlung hörbar macht. Das Album ist kein Meisterstück, allerdings ein wichtiges Kapitel. Eine Sammlung von Songs, die im Einzelnen beeindruckend sein können, im Gesamtbild jedoch unter der Strenge ihrer eigenen Gravitation leiden.

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80
portrait
2025
Woman Of Faces
DU-0275-TZ

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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