Boniface – Boniface

Nach dem Klavier-geführten „Waking Up in Suburbia“ ist das Debütalbum von Micah Visser eine Explosion von maximalistischen Neon-Pop-Rock, einer Kaskade aus großen Trommeln, hauchdünnen Synthesizern und treibender Gitarre. Visser kennt sich mit seinen Rhythmen aus, zudem hören wir luftdichte und drahtige Arrangements. Jede Note wird für die maximale Wirkung gespielt. Es wäre unfair, Boniface als reine Pastiche der 80er Jahre zu bezeichnen – während das Album offensichtlich und mit viel Leidenschaft den Synthesizern und Hauptakkorden des Pop der 80er Jahre gewidmet ist, ist es ebenso den lauten Refrains und der aufgeschlossenen Lyrik des Indie-Rocks, Mitte der 2000er Jahre, nicht abgeneigt.

Boniface schrieb und nahm einen Großteil der Songs im eigenen zu Hause auf. Boniface reiste nach London, um mit dem Charli XCX-Produzenten Neil Comber zusammenzuarbeiten. Einen Vertrag gab es mit Transgressive Records, der Heimat der House-Pop-Pionierin SOPHIE. Comber verbindet die Introspektive mit einer hochglanzpolierten Produktion. Ähnlich wie seine Labelkollegin gleitet Boniface mühelos zwischen Euphorie und Verwundbarkeit hin und her und präsentiert oft beides gleichzeitig in einem Song. Das Disco-fähige „Ghosts“ ist brillant selbstbewusst und repräsentativ für das Gefühl sozialer Isolation, während das klimatische „Wake Me Back Up“ für große Festivalbühnen bestimmt ist.

Der lyrikgetriebene Track „Waking Up in Suburbia“ fügt Violine und Synth-Bass hinzu, bevor er halb flüstert: „But I know you like the back of my hand/It’s not like I’m trying to kiss you/But it’s not like we never have.“ Das gesamte Album spielt sich wie eine Sammlung privater, von Herzen kommender Botschaften ab, obwohl wirbelnde Synthesizer und treibende Trommeln sich auf den zweiten Song „I Will Not Return as a Tourist“ einlassen. Boniface schließt mit dem theatralischen, kathartischen „Making Peace with Suburbia“, das das Album mit mehr Klavier und Streichern belegt. Dazwischen geht Visser durch den treibenden Dance-Rock des New Order-evozierenden „Dear Megan“, verführt uns im hymnischen Tanzstück „Oh My God“ und wird wehmütig in „Your List“.

Visser’s ernsthafte und zitternde Gesangsdarbietung verleiht emotional rohen, arglosen Texten Authentizität und macht „Boniface“ zu einem beeindruckenden und bemerkenswert positiven Debüt, dass uns zu einer ungefilterten Reise der Selbstfindung einlädt.