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Ein sattgrüner Limettenball liegt vor schwarzem Hintergrund, umschlungen von schmalen Spiralen der eigenen Schale, glänzend, körnige Oberfläche, grafisch reduziert.
ALBUM

Double Infinity BIG THIEF

2025
MSTAX ALBUMPROFIL

BIG THIEF liefern mit DOUBLE INFINITY ein live eingespieltes Indie-Folk-Album zwischen Trance, Limesgrün und Laraaji – suchend, zart, widersprüchlich, mit mantrischen Refrains, starken Bildern und spürbarer Studio-Gemeinschaft.

„Double Infinity“ kommt aus einem warmen, holzgetäfelten Raum der Power Station in New York, drei Wochen, neun-Stunden-Tage, aufgenommen nahezu ohne Overdubs, produziert, aufgenommen und gemischt von Dom Monks. Nach dem Ausstieg von Max Oleartchik ordnet sich Big Thief neu: Joshua Crumbly am Bass, Gäste wie Hannah Cohen, June McDoom, Alena Spanger, Percussion von Mikel Patrick Avery, Caleb Michel, Jon Nellen, Tape-Loops von Mikey Buishas. Die Band, getragen von der unangestrengten Telepathie zwischen Adrianne Lenker, Buck Meek, James Krivchenia, spielt simultan, improvisiert Arrangements, lässt Zufälle zu. Das Ergebnis wirkt luftiger als „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“, dennoch dichter bevölkert, häufig weiter geöffnet als früher, was Glanz entfaltet, zugleich Unschärfen produziert. 

Der Opener „Incomprehensible“ stellt das Programm vor: Reisebilder, Kisten aus der Kindheit, der schönste Vers als Selbstvergewisserung und Zukunftsentwurf—„I like a double number, and I like an odd one too / And everything I see from now on will be something new.“ Lenker singt hell, beweglich, die Band sprintet hinterher. „Words“ legt den Finger in die Sprachwunde, die Refrainzeile gehört zu den stärksten, zugleich entlarvend einfachen: „Words don’t make sense… Words won’t make it right.“ Das Stück knüpft ein tranceartiges Geflecht aus Drone, Gitarrenlinien, einem Groove, der eher trägt als drängt. „Los Angeles“ sammelt Splitter – Sitz 27D, Grand Canyon, ein lächelndes Gegenüber – und erinnert daran, wie Big Thief konkrete Topografie in seelische Kartografie verwandeln. 

Die Kollaboration „Grandmother“ mit Laraaji weitet das Spektrum: Zither, kehlige Vokale, „Gonna turn it all into rock and roll“ als fast religiöses Credo, dazu ein Kreis aus Stimmen, der die Stücke in eine gemeinschaftliche Intimität hebt. Zugleich schleichen Zweifel hinein. „Happy With You“ baut seine Magie aus Wiederholung, die Mantra-Idee trägt, doch droht an der Kante zur Selbstgenügsamkeit. „No Fear“ pulst wie eine irdische Version von The Cure, Feedbackschleier, Loops, über allem Lenker’s Zeile, die das Cover erklärt: „there is no time / round like a lime“. Genau hier hakt „Double Infinity“: Viel Personal im Raum, viel Luft zwischen den Elementen, nicht jede Idee wird zur Form. Das Titelstück findet eine schöne Balance, die Stimme bekommt Platz, das Motiv „Brücke zwischen zwei Unendlichkeiten“ hält, während „All Night All Day“ den stärksten Refrain liefert: „Swallow poison, swallow sugar… love is just a name“. 

Finale Klarheit schenkt „How Could I Have Known“, Paris-Regen, Pont des Arts, „the lovers left their chains“, die Erkenntnis, dass Abschiede Dauer nicht ausschließen – „our love will live forever / though today we said goodbye.“ Big Thief bleiben Big Thief, erzählerisch präzise, melodisch warm, doch „Double Infinity“ wirkt streckenweise wie ein Übergangswerk: wunderschöne Oberflächen, gemeinsames Glühen, weniger unbedingte Verdichtung. Die Größe liegt in Momenten, nicht im Durchzug der gesamten Platte.

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Anspieltipps: Incomprehensible, Words, All Night All Day

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Basierend auf Stimmung, emotionalem Profil und Klangcharakter von „Double Infinity“.

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