Beyoncé – The Lion King: The Gift

„Lemonade“ war Beyoncé’s stolzes, zorniges, südländisch inspiriertes Bekenntnis zu Trotz und Selbstwert gegenüber einem betrügenden Mann. „Homecoming“ eine Anspielung auf ihre Wurzeln in Houston, Hymnen marschierten und heilten. Die warmen Produktionsspuren und die hymnische Musikalität des neuen Albums „The Lion King: The Gift“ haben möglicherweise nicht die gleiche avantgardistische Prägung oder den gleichen seltsamen rhythmischen Knick wie die unmittelbar zuvor erwähnten Vorgänger, aber das, was „The Lion King: The Gift“ an Unordnung vermisst, gleicht dies in Geschmack, Herz und Seele wieder aus. Alles, was mit der Erzählung von James Earl Jones beginnt, beinhaltet auch eine eigene Mischung aus Würde und Sentimentalismus.

Hinzu gesellen sich flüssige Highlife-Gitarren, klirrende hypnotisierende Impulse und eine Handvoll nigerianischer Rapper und Sänger der neuen Schule, die ihren Modernismus und offenen Traditionalismus einfließen lassen.  „Otherside“ ist wie auch „Spirit“ eine sehr filmische Ballade, als wollte sie dem König der Löwen ein eigenes „Over the Rainbow“ oder zumindest ein „Rainbow Connection“ liefern. Andererseits bietet „Scar“ eine Zusammenarbeit mit Reyez und Kanye West und bildet eine überzeugendere Charakterisierung des Hauptschurken der Geschichte. “Bigger than you, bigger than me/ Bigger than the picture they framed us to be/ Legacy, oh, you’re part of something way bigger.”

 

Ebenso mag das zweite Lied, „Find Your Way Back“ (unter anderem von Nigerias Bankulli produziert) mit den Szenen zusammenfallen, in denen Mufasa seinem Jungen väterliche Weisheit verleiht, aber es ist besonders bewegend und glänzt als sanftere Fortsetzung von „Limonades“ zwielichtiger Spannung. Dagegen lässt das eröffnende Stück „Bigger“ das Drama der königlichen Familie und das Weltbild des „Lebenskreises“ des König der Löwen in das Leitmotiv von Beyoncés eigener Arbeit übergehen. Insgesamt gibt es kaum einen Gast, der seine Einladung nicht verdient, vom kamerunischen Sänger Salatiel über den nigerianischen Popstar Tiwa Savage bis zum ghanaischen selbsternannten „Dancehall King“ Shatta Wale. 

Es gibt viel zu viel zu sehen, mehr zu finden als jemals zuvor – Beyoncé hat diese Künstler eingeladen und jeden Track mitproduziert, was dem dominanten Afrobeat-Sound ein völlig neues Maß an Bedeutung verleiht – eine beeindruckende Leistung für sich. Es ist also ein Album, das ihren exzellenten Geschmack zeigt und weniger ein großartiges Beyoncé-Album per se.