BELINDA CARLISLE Voila
BELINDA CARLISLE entdeckt die französische Seele: wie VOILA zwischen Chanson, Pop und Erinnerung eine neue Identität formt und die ehemalige Sängerin der Go-Go’s zur souveränen Erzählerin über Zeit, Sprache und Eleganz wird.
Belinda Carlisle war nie nur Pop. Hinter der makellosen Oberfläche ihrer Achtzigerjahre-Hits verbarg sich immer ein Drang nach Distanz, nach Neuformung. „Voila“, ihr erstes Studioalbum seit über einem Jahrzehnt, ist keine Rückkehr, sondern ein Perspektivwechsel: ein Blick in die fremde, doch vertraute Welt der französischen Chansons. Sie singt hier ausschließlich in Französisch und wagt damit, was vielen englischsprachigen Künstlerinnen zu riskant erscheint: völlige Hingabe an eine andere Tradition, an eine Sprache, die nicht der Muttersprache folgt, sondern einem inneren Rhythmus.
Produzent John Reynolds und Keyboard-Architekt Brian Eno schaffen einen Rahmen, der zugleich modern und melancholisch klingt. Die Akkordeons von Sharon Shannon, das leise Tremolo der Violinen und die eleganten, fast jazzigen Phrasierungen in „Ma jeunesse fout le camp“ lassen Belinda Carlisle wie eine Chanteuse der sechziger Jahre wirken, deren Stimme auf den Pariser Asphalt gefallen ist. „Avec le temps“ entfaltet sich als stilles Gebet, während „Bonnie et Clyde“ die Ironie und Sinnlichkeit von Serge Gainsbourg neu zeichnet, weniger lasziv, dafür mit einer kühlen Distanz, die unter der Oberfläche brennt.
Das Albumcover spiegelt diesen Ton: eine Frau in Schwarz, aufrecht und kontrolliert, umgeben von den engen Gassen einer vergangenen Stadt. Sie tritt aus der Geschichte heraus, nicht hinein. Alles an „Voila“ erzählt von Übergängen: von Jugend, die vergeht, von Bildern, die bleiben, von einer Sängerin, die ihre eigene Stimme neu definiert. Die Produktion ist makellos, die Idee klug, doch manchmal zu glatt. Die riskante Spannung zwischen Authentizität und Inszenierung löst sich nicht vollständig auf. Dennoch zeigt Carlisle hier eine Reife, die selten ist – ihr Französisch ist nicht makellos, aber getragen von Ernsthaftigkeit. Wenn sie „Sous le ciel de Paris“ singt, scheint für einen Moment das Fremde zu leuchten: nicht als Stil, sondern als Sehnsucht.
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