Bachelor – Doomin‘ Sun

Beide sind für sich alleine so stark, dass es mutig wäre zu behaupten, dass sie gemeinsam stärker sind. Aber es kann nicht sicher gesagt werden und daher gibt es nur einen Weg, um es sicher herauszufinden: BACHELOR brauchen eine Zukunft neben Jay Som und Palehound.

Es mag übertrieben sein, zu sagen, dass Melina Duterte (Jay Som) und Ellen Kempner (Palehound) zusammengehören, aber ihre musikalische Vereinigung ist sicherlich äußerst zufriedenstellend. Geschrieben und aufgenommen während eines zweiwöchigen kreativen Ausbruchs vor der Pandemie in einem gemieteten kalifornischen Haus, vereinen die Songs auf „Doomin‘ Sun“ die besten Qualitäten der beiden Künstlerinnen: Kempner’s verletzlicher Gesang und einprägsame Melodien und Duterte’s trockene, rhythmische Harmonien, Sensibilität und das besondere Händchen als Produzentin. „Doomin‘ Sun“ von Bachelor ist eine zutiefst lyrische Platte, die uns 10 Songs mit aufreizenden und heißblütigen Geschichten liefert, die in der gitarrengeladenen Atmosphäre von struppigen Indie-Giganten der 90er Jahre wie Mazzy Star und Yo La Tengo verwurzelt sind. 

Melina und Ellen sind mit dieser vielversprechenden Zusammenarbeit auf eine reiche Ader der Kreativität gestoßen, die nahtlos Song für Song zwischen folkigen, hochfliegenden Meditationen, spritzigen Bubblegum-Melodien und polternder Power-Pop-Nostalgie übergeht. Kempner’s gewundene drahtige Gitarre und Falsett-Darbietung übernehmen die Führung auf „Sand Angel“ und „Sick of Spiraling“. In der Zwischenzeit tragen „Moon“ und „Went Out Without You“ die Spuren von Duterte’s dunstigem Produktionsstil und den widerhallenden Melodien aus den Eröffnungsminuten. Im letzteren Song singen sie, wie es ist, vor einem Partner das Gesicht zu wahren, nachdem man versucht hat, auf eigene Faust neue Freunde zu treffen: “When you called me after I was so beat down / But I picked up and told you I had a great time.”

Gemeinsam erreicht das Duo eine mühelose Synthese von Stilen, die durch ebenso mühelose gegenseitige Chemie unterstützt wird. Andere Musik auf „Doomin’ Sun“ erweitert diese fatalistische Version der Romantik, in der die Menschen mehr dem Geliebten nachgehen, als sich selbst zu lieben. Auf dem ausgelassenen „Stay in the Car“ wollen Duterte und Kempner eine Frau auf dem Supermarktparkplatz so sehr kennenlernen, dass sie bereit sind, „be the ice cream left out in her sun“. An anderer Stelle wird das verschwommene „Spin Out“ von Duterte angeführt, und der Titeltrack bietet eine apokalyptische akustische Ballade mit Kempner’s intimen, offenen Gesang im Kontrast zu Duterte’s bearbeitetem, gebrochenem Quasi-Unisono („The sky is red, but we’ve got time and you are holding me“). 

Die wenigen Gäste des Albums spiegeln sich in Duterte’s Partnerin und Routine-Bandkollegin Annie Truscott (Chastity Belt) und Schlagzeuger James Krivchenia (Big Thief) wider, der Interviews zufolge den Kurs von „Sick of Spiraling“ in Richtung etwas Treibenderes veränderte, da das Duo mit den eigenen Ansätzen nicht zufrieden war. Letztlich ist aber etwas ganz und gar zufriedenstellendes entstanden und alles in allem ist „Doomin’ Sun“ so fesselnd wie unschuldig entzückend geworden.

9.1