AMANDA SHIRES’ neues Album NOBODY’S GIRL als schonungslose Chronik einer Trennung: Zwischen Americana-Pop, verletzlicher Intimität und dem Versuch einer Neubestimmung nach Jason Isbell.
Amanda Shires ist bekannt dafür, den Schmerz nicht zu scheuen, sondern ihn zu sezieren, bis nur noch Rohheit und Klarheit bleiben. Ihr neues Werk „Nobody’s Girl“ erzählt von einer Ehe, die nicht nur privat, sondern auch künstlerisch ein Bündnis gewesen war. Die Scheidung von Jason Isbell schwingt in jeder Zeile mit, und doch geht es weniger um Rache als um Selbstbehauptung. Schon die Single „A Way It Goes“ macht dies unmissverständlich klar: „I’d rather you see me thriving“ – ein Satz, der in seiner Sanftheit wie ein Messer wirkt. Die von Lawrence Rothman produzierten Songs bewegen sich zwischen schwebender Americana, opulenten Arrangements und spärlichen Akzenten von Geige oder Ukulele, Instrumenten, die Shires bewusst als Verlängerung ihrer Stimme einsetzt.
„The Details“ wirkt wie ein Eintrag im Tagebuch, ein Ort, an dem Revisionismus keinen Platz hat: „He erases the details and I’m history.“ Hier spricht nicht die Fiktion, sondern die Biografie. Dass Shires diesen Song selbst nie live spielen möchte, verstärkt den Eindruck einer künstlerischen Katharsis. In „Piece Of Mind“ greift sie rockiger zu, die Band treibt nach vorne, während Shires zugleich hofft: „Oh, I hope you finally find your missing piece of mind.“ Doch ihre größte Stärke bleibt das Zarte, die leicht brüchige Artikulation, die zwischen Resignation und Neubeginn oszilliert. Tracks wie „Living“ oder „Maybe I“ setzen auf flirrende Zurückhaltung, fast wie ein inneres Flattern.
Das Albumcover unterstreicht diesen Tonfall. In Schwarz-Weiß blickt Shires mit einem Glas in der Hand zur Seite, eine Pose zwischen Eleganz und Müdigkeit, zwischen Selbstinszenierung und entwaffnender Verletzlichkeit. Der Schriftzug „Nobody’s Girl“ legt sich ornamental über die Szenerie, als wolle er das Private mit einer Note von Glamour tarnen. Doch in den Songs blitzt immer wieder die Realität auf: Müdigkeit, Bitterkeit, aber auch ein vorsichtiges Aufscheinen von Zukunft. Mit „Not Feeling Anything“ endet die Platte auf einer paradoxen Befreiung, als sei das Nichts das erste Terrain, auf dem wieder etwas wachsen kann. „Maybe living is an art,“ singt sie in „Living“ – und deutet damit an, dass auch das Scheitern Teil dieser Kunst ist.
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