박혜진 Park Hye Jin – Before I Die

Auf BEFORE I DIE ist es diese Dualität, die PARK HYE JIN ermöglicht, ihre künstlerische Stimme zu finden. Wenn Sie über eine dunstige Gitarre und einen luxuriös lethargischen Breakbeat schreit, kann man mit Sicherheit sagen, dass der Rest von uns direkt hinter ihr steht.

Mit „Before I Die“ zeigt uns Park Hye Jin Ihre klarste künstlerische Vision, die wir bisher von Ihr sehen durften. Wenn es eine Kritik an der letztjährigen EP gab, dann war sie ein bisschen unzusammenhängend. Jeder Song war für sich genommen gut, aber die Art und Weise, wie Hye Jin in nur sechs Songs von Juke zu stürmischem Warehouse-Techno zu glückseligem Mumble-Rap wechselte, fühlte sich wie ein Sammelsurium an. Mit einem kompletten Album hat Hye Jin mehr Raum, um ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Ihr selbstproduziertes Debüt fühlt sich aufwendiger an als ihre EPs, wirkt aber auch impulsiver und aus einem Guss. Park’s Texte sind emotional direkter und ihre standhafte Gesangsvorführung befehlender.

Trap ist zudem einer der dominanten Sounds auf der Platte und Hye Jin versteht es, den Biss ihrer Snares mit leichten Melodien auszugleichen. Das Piano auf „I Need You“ zum Beispiel klingt wie Lex Luger, der einen Wochenendausflug auf die Fuchsjagd vertont. Dieselbe Gegenüberstellung funktioniert gut auf „Watchu Doing Later“, wo der wilde Bass die Ballerina mit einem Sepia-befleckten Piano-Loop trifft, den wir vielleicht auf einer frühen Lo-Fi-Veröffentlichung von Lobster Theremin finden. Sie verschmilzt House, Techno, Trap und wandert zwischen Rappen auf Englisch und Koreanisch, ihre lyrische Darbietung ist trocken und lässig und bietet einen ungefilterten Bewusstseinsstrom.

Es ist nicht zu leugnen, dass House am besten erlebt wird, wenn es von anderen warmen, schwitzenden Körpern umschwärmt wird, die sich im Rhythmus von wogenden Trommeln und Bässen gegenseitig umwerfen, egal wie sehr die Gesellschaft versucht, sich in entfernte, künstliche virtuelle Räume zu bewegen. Und obwohl Hye Jin’s Arbeit vorrangig House oder Techno sein mag, macht sie nicht nur Musik, zu der man sich bewegen kann – sie schafft es, die Vergeblichkeit und Auflösung, die die Welt als Ganzes verschlingt, routinemäßig in ihre tanzbaren Beats und hypnotischen Lo-Fi-Atmosphären zu kanalisieren. Das Album endet mit „i jus wanna be happy“, das mit seinen hüpfenden Trap-Beats und dunstigen, echoreichen Gesängen eine niedergeschlagene, aber beruhigende Atmosphäre einfängt.

8.9