Laura Gibson – La Grande

Benannt nach einer landschaftlich reizvollen Stadt in Oregon, ist ‚ La Grande ‚ nebenbei auch das zweite Album von Laura Gibson, die mit ‚ Beasts of Seasons ‚ vor zwei Jahren gewohnt rauchig und flüsternd mit ihrer Stimme verwöhnte. Aber ebenso schnell wieder zurück zu ‚ La Grande ‚ und dem Gefühl aufkommender Nostalgie, die elegant durch die bewaldete Landschaft Ihrer Heimat schlendert, während die einzigartige Stimme erneut den Sinn für Natur und Freiheit lebt, atmet und von Ihrer akustischen Gitarre dabei begleitet wird. Das gleichnamige Titelstück konzentriert sich auf einen zeitgenössischen Sound, lässt dabei eine vielfältige Geografie von Oregon durch die Zeilen fließen und deutet bereits hier eine Richtung an, deren Wendungen man besonders in der zweiten Hälfte der Platte auf diese Art und Weise sicherlich nicht erwartet hätte. Doch was ‚ La Grande ‚ in den ersten Minuten verspricht und bis zum Ende verfolgt, ist ein gewisses Vintage Gefühl – das aber glücklicherweise nie ins Retrohafte abgleitet. Eine feenhafte und federnde Opulenz schwebt über den Songs. Und während sich ‚ Skin, Warming Skin ‚ in einen exzentrischen und rituellen Gesang verwandelt, bleiben ‚ Crow / Swallow ‚ und ‚ Feather Lungs ‚ zahme und antike Nummern. Doch vorsichtig ist geboten, denn Gibson vertreibt im dritten Stück ‚ Lion / Lumb ‚ die Vorstellungen von Sanftheit: „I am not a lamb, I am a lion…tearing your grace with every tooth and claw.” Gegen Ende erleben wir mit ‚ This Fire ‚ einen traumhaft galoppierenden Chor, der uns „Yeehaw“ entgegen brüllt und dabei versichert: „If you’re as hot as the sun, be not afraid of the fire.” Ein traumhaftes Stück – innovativ, begeistert mit seiner herausragenden Orgel und dem akustischen Reichtum. Ihre Stimme gleicht einer wunderschönen, alten und zerkratzten Vinyl-Qualität. Aber schlussendlich fällt es mir auch besonders leicht hier mit solchen Adjektiven durch die Gegend zu schmeißen – denn mit dieser Stimme konfrontiert zu werden, ist ein sprachloses Staunen die logische Konsequenz. Und abgesehen davon überzeugen die ganz neuen, beschwingt perkussiven Töne, die musikalischen Verzierungen und die nostalgische Atmosphäre. ‚ La Grande ‚ ehrt die alten Folk-Helden Amerikas, ist sowohl schläfrig, wie auch stählern und mystisch. Aber Ihre Wurzeln bleiben bei den sehr realen und universellen Themen haften. Eine Platte die Applaus verdient.