Düstere Endzeitromantik und stilistische Sprünge prägen ein Debüt, das zwischen treibenden Gitarrenriffs und überraschenden Folk-Ausflügen pendelt, während DEA MATRONA die Grenzen des klassischen Rock austesten.
Ein verzerrter, extrem trocken im Raum stehender Basslauf eröffnet das Geschehen, reduziert auf das Nötigste, fast mechanisch repetitiv, bevor die Saiteninstrumente in eine wuchtige Blues-Rock-Geste ausbrechen. Diese dynamische Diskrepanz zwischen roher, tieffrequenter Erdung und glockenklarem, fast unschuldig wirkendem Gesang markiert das eigentliche Fundament, auf dem das gesamte Werk ruht. Es ist ein kalkulierter Kontrast, der sich durch die Anordnung der Frequenzen zieht, eine klangliche Entscheidung gegen die reine Sättigung und für den bewussten Leerraum im Stereobild.
Diese eigenwillige Produktion prägt das gesamte Debütalbum von Dea Matrona. Das nordirische Duo, bestehend aus Mollie McGinn und Orlaith Forsythe, inszeniert sich im physischen Format in einer eigentümlichen Balance aus Distanz und modischer Pose auf einem dunklen Sofa vor kaltem, blauem Hintergrund. Visuelle Künstlichkeit und das Spiel mit klassischen Rock-Attributen übersetzen exakt das musikalische Prinzip des Albums, das die kalkulierte Pose historischer Genres sucht, statt intime Authentizität vorzutäuschen. Der ständige Wechsel der Instrumente zwischen den Musikerinnen unterstreicht diesen handwerklichen Ansatz, bei dem die Rollenverteilung fließend bleibt und die Songs als geschlossene Arrangements begriffen werden.
Inhaltlich bricht dieses Gefüge vor allem dort auf, wo die vermeintlich unbeschwerte Rock-Attitüde auf eine bemerkenswert düstere Motivik trifft. Der Kontrast verschärft sich im Kernstück des Albums zur existenziellen Frage: „Do we all die for somebody’s sins? / Do we all live just to exist?“. Diese lyrische Zerrissenheit fungiert keineswegs als schmückendes Beiwerk, sondern treibt die Songs in eine apokalyptische Grundstimmung, die im schroffen Widerspruch zu den eingängigen, bisweilen hymnenhaften Melodiestrukturen steht. Die Leichtigkeit des klassischen Songwritings wird durch die ständige Präsenz von Verfall, Schuld und Endzeitstimmung unterwandert, was den Stücken ihre eigentliche argumentative Schärfe verleiht.
Diese stilistische Reibung führt im Verlauf der Tracklist zu extremen Ausreißern, die das starre Korsett des gitarrenfokussierten Rock verlassen. Das Material bricht aus in filigrane Folk-Momente mit orchestralen Streicherarrangements wie in „Glory, Glory (I Am Free)“, wechselt in traditionelle Folk-Muster oder biegt ab in Richtung eines fast ironischen Country-Stils in „Dead Man’s Heart“. Sogar subtile R&B-Strukturen und Funk-Gitarren tauchen auf, was das Album phasenweise wie eine eklektische Werkschau wirken lässt. Am stärksten greift diese Dynamik im finalen „Black Rain“, das mit einer schleppenden, fast klaustrophobischen Grunge-Atmosphäre arbeitet und die zuvor mühsam aufrechterhaltene Pop-Konvention endgültig auflöst.
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