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Alela Diane sitzt im Profil auf einem Holzstuhl vor einem beigen Hintergrund.
ALBUM

Cusp ALELA DIANE

2018
MSTAX ALBUMPROFIL

Eine getragene Intimität bestimmt das neue Album von ALELA DIANE, auf dem reduzierte Klavierklänge und epische Streicherarrangements eine melancholische Atmosphäre voller Verletzlichkeit erschaffen.

Ein gebrochener Daumennagel erzwingt manchmal radikalere ästhetische Wendungen als der bewusste Wille zur Neuerfindung. Wo früher die filigranen, fast mathematisch präzisen Gitarrenpickings von Ryan Francesconi den Songs ihren Halt gaben, dominiert nun die schwere, dämpfende Resonanz eines Klaviers. Es ist diese feine, fast mechanische Verschiebung im Fundament, die Alela Diane zu einer veränderten Gesangshaltung zwingt. Ihre Stimme sucht nicht mehr die offene Weite des traditionellen Folk, sondern bettet sich schutzsuchend in die tiefen Frequenzen der Holztasten ein, was dem gesamten Album von Beginn an eine eigentümliche, fast klaustrophobische Dichte verleiht.

Das visuelle Selbstbildnis auf dem Cover greift diesen ästhetischen Bruch zwischen musikalischer Intimität und inszenierter Distanz präzise auf. Die Künstlerin sitzt im Profil auf einem reduzierten Holzstuhl, den Blick starr ins Leere gerichtet, die Haare streng zurückgesteckt, gehüllt in ein gemustertes Kleid, das an ländliche Konventionen erinnert. Diese fast theatralische, kühle Pose verweigert jegliche folkloristische Nahbarkeit. Sie bricht radikal mit der extremen emotionalen Auslieferung der Lieder, indem sie eine formale Barriere errichtet, die das Private schützt und die Musik als kunstvolle Setzung, nicht als reines Bekenntnis begreifbar macht.

Diese Distanz schwindet im Kern des Materials, das seine stärksten Momente aus der schmerzhaften Sezierung des Begriffes Herkunft bezieht. In „The Alder Trees“ weicht die pastorale Idylle einer dunklen historischen Spurensuche, wenn die Zeilen „As I think about the ladies who weren’t allowed to sing / Sewing all their pretty rows of thread instead of singing“ eine generationenübergreifende weibliche Sprachlosigkeit einklagen. Die Melodien verharren hier in einer repetitiven Schlichtheit, die jede vordergründige Dynamik verweigert. 

Das Album verlässt den Schutzraum des rein Privaten vollends, wenn das Grauen der globalen Realität die mütterliche Perspektive durchbricht; „Émigré“ nutzt die existentielle Angst vor dem Verlust des eigenen Kindes als analytische Linse für das kollektive Ertrinken im Mittelmeer, getragen von einem fast feierlichen, unheimlichen Choral, der jegliche folk-typische Gemütlichkeit im Keim erstickt.

Am Ende führt diese Reduktion der Mittel zu einer veränderten Perspektive auf das Vergehen der Zeit. „Wild Ceaseless Song“ entlässt uns mit einer spröden Klavierballade, die das Erbe der eigenen Existenz in den Zügen der nachfolgenden Generation sucht, ohne die Melancholie dieses Abschieds durch tröstliche Harmonien abzufedern.

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Das Album anhören

Anspieltipps: Émigré, Wild Ceaseless Song, The Alder Trees

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