FOO FIGHTERS Concrete and Gold
Monumentale Wände aus Beton und ein Hauch von Goldstaub lassen die FOO FIGHTERS zwischen Stadion-Hymnen und psychedelischer Verspieltheit pendeln. Dave Grohl entwirft eine wuchtige Rock-Vision, die ihre Kraft aus der Isolation zieht und durch prominente Gastauftritte eine überraschende Farbigkeit gewinnt.
Die Entscheidung fällt bereits in der ersten Sekunde von “T-Shirt”. Ein akustisches Falsett deutet eine Intimität an, die sofort von einer heroischen Klangwand zerrissen wird. Diese mikrorhythmische Explosion setzt den Standard für ein Album, das sich als strategische Überwältigung versteht. Die Foo Fighters verweigern sich auf ihrem neunten Werk der dokumentarischen Konzeptualität des Vorgängers und flüchten stattdessen in die hermetische Sicherheit des EastWest Studios. Es ist eine Rückkehr zur klassischen Form, die jedoch unter der Regie von Greg Kurstin eine künstliche, fast schon unheimliche Politur erhält.
Diese Spannung zwischen handgemachter Wucht und pop-affiner Glätte findet ihre visuelle Entsprechung in der Gestaltung. Das reduzierte Gold-Emblem auf dem harten, grauen Grund wirkt wie ein künstliches Siegel auf einer massiven Betonplatte. Es ist die Pose der Beständigkeit, ein unterkühltes Selbstbild, das die Distanz zwischen der rohen Energie des Rock und der kalkulierten Ästhetik des Mainstreams markiert. Hier wird keine Garagen-Romantik mehr simuliert, sondern die schiere Unbezwingbarkeit einer Institution zelebriert, die selbst mit gebrochenem Bein den Thron nicht räumt.
In Songs wie “Run” manifestiert sich eine neue Härte, die weniger aus Rebellion als aus einer klaustrophobischen Dringlichkeit gespeist wird. “The rats are on parade, another mad charade” beschreibt eine Welt im Taumel, während die Musik dazu die Flucht nach vorne antritt. Dave Grohl nutzt die Stimme hier funktionaler, sie ist kein bloßes Melodieinstrument mehr, sondern ein strukturelles Element, das sich gegen die dichten Schichten aus Gitarren und Synthesizern stemmen muss. Die Produktion lässt kaum Raum für Stille; selbst die Melancholie in “Happy Ever After (Zero Hour)” wirkt durcharrangiert und präzise platziert.
Die Integration von Gästen wie Justin Timberlake oder Paul McCartney an den Schlagzeugen von “Sunday Rain” bleibt eine rein atmosphärische Geste. Ihre Präsenz dient der Textur, nicht der Profilierung. McCartney agiert als rhythmisches Rückgrat, ohne den Song zu dominieren, was die klangliche Architektur des Albums unterstreicht: Alles ordnet sich der massiven Gesamtwirkung unter. “The Sky Is A Neighborhood” treibt diese Verdichtung auf die Spitze, indem es Blues-Strukturen in ein orchestrales Korsett zwängt, das jede Spontaneität zugunsten einer fast theatralischen Schwere opfert.
Am Ende steht eine strukturelle Ermüdung, die in der Titelnummer “Concrete and Gold” ihren Kulminationspunkt findet. Der massive Chor von Shawn Stockman überlagert die schleppenden Riffs und führt die anfängliche Beobachtung der Überwältigung in eine fast sakrale Perspektive. Die Band erreicht hier eine Grenze der Dichte, an der die individuelle Note im monumentalen Gesamtklang aufgeht. Es bleibt das Bild einer Formation, die ihre eigene Historie als unumstößliches Fundament nutzt, um darauf eine Architektur zu errichten, die ebenso stabil wie unnahbar erscheint.
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