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THE CLOCKWORKS Exit Strategy

2023

Eine raue Reise durch urbane Sehnsuchtsorte: THE CLOCKWORKS entwerfen auf ihrem Debütalbum EXIT STRATEGY eine filmisch dichte Erzählung zwischen dem irischen Galway und der unerbittlichen Weite Londons. Die Produktion von Bernard Butler verleiht dem stürmischen Indie-Rock eine tiefschürfende, fast nostalgische Relevanz.

Das Klavier am Anfang von „Deaths And Entrances“ wirkt wie ein Fremdkörper, eine fast zu saubere Geste in einer Welt, die kurz darauf in kontrolliertes Chaos umschlägt. Es ist kein klassisches Intro, sondern die Grundierung für eine Stimme, die sich nicht hinter Effekten verstecken will. James McGregor singt hier nicht nur, er protokolliert die Einsamkeit einer Halloween-Nacht in Galway, während die Band einen Rhythmus aufbaut, der weniger nach Tanzfläche als nach dem ungeduldigen Klopfen an verschlossene Pub-Türen klingt.

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Diese Unmittelbarkeit ist die strategische Setzung von The Clockworks. Das Quartett verweigert sich der glatten Politur moderner Indie-Produktionen und wählt stattdessen eine Ästhetik, die ihre Wurzeln im Post-Punk und Britpop der Neunziger nicht nur zitiert, sondern als funktionales Werkzeug begreift. Dass Bernard Butler an den Reglern saß, wird in der Scharfkantigkeit der Gitarren in „Bills And Pills“ spürbar; hier herrscht eine Dringlichkeit, die keine Umwege kennt. Die Musik fungiert als Motor für eine Fluchtbewegung, die geografisch in London endet, aber emotional in der ständigen Selbstanpassung stecken bleibt.

Das Cover zeigt ein einsames Lichtspielhaus in einer verregneten Nacht, eine Szenerie, die den filmischen Anspruch von „Exit Strategy“ visuell zuspitzt. Es ist kein Porträt einer Band, sondern die Inszenierung einer Bühne für die im Text beschriebenen Figuren. Diese visuelle Künstlichkeit kontrastiert hart mit der musikalischen Intimität, als wolle die Band betonen, dass jede Suche nach Authentizität in der Großstadt zwangsläufig eine theatrale Pose bleibt.

In „Enough Is Never Enough“ materialisiert sich diese Reibung zwischen individuellem Anspruch und kapitalistischer Erschöpfung. McGregor beobachtet messerscharf: „I stopped trying to make me perfect / Because being human is complicated“. Es ist diese Verweigerung von Ironie, die das Album aus der Masse der Retro-Epigonen heraushebt. Die Songs folgen keinem Selbstzweck, sondern ordnen sich einer Erzählung unter, die in „Westway“ ihren entschleunigten, fast wehmütigen Abschluss findet. Hier zeigt sich die Fähigkeit der Band, großformatige Emotionen zuzulassen, ohne in den Kitsch abzudriften. „Exit Strategy“ bleibt bis zum Ende eine bewusste Verortung im Hier und Jetzt, getragen von einer handwerklichen Solidität, die keine Effekthascherei benötigt.

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Ein quadratisches Albumcover zeigt ein beleuchtetes, altes Kinogebäude bei Nacht in einer städtischen Seitenstraße. Auf der leuchtenden Anzeigetafel steht oben links „THE CLOCKWORKS“ und unten rechts in roter Schrift „EXIT STRATEGY“. Links im Vordergrund rast ein Polizeiauto mit Blaulicht vorbei, rechts steht ein roter Kleinwagen mit eingeschalteten Scheinwerfern im Regen.

The Clockworks – Exit Strategy

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79
architektonisch
2023
Exit Strategy
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Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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