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LEILA BORDREUIL Not an Elegy

2022

LEILA BORDREUIL entwirft mit ihrem Album NOT AN ELEGY eine beklemmende Topografie der Stille und des Lärms. Die New Yorker Cellistin verwandelt urbane Zwischenräume in resonante Körper, die zwischen purer Physis und gespenstischer Abstraktion oszillieren.

Der Kontakt von Kolophonium auf Metall erzeugt hier keinen Ton, sondern eine Reibung, die das Material des Instruments selbst bloßstellt. Es ist dieses initiale Kratzen, eine fast schmerzhafte Präsenz des Objekts Cello, das Leila Bordreuil als radikale Setzung nutzt. Wo frühere Aufnahmen wie „Headflush“ noch mit einer gewissen klanglichen Dichte experimentierten, wirkt diese neue Arbeit wie eine rücksichtslose Freilegung der Mechanik. Die Musik entsteht nicht gegen den Widerstand des Materials, sondern aus ihm heraus, indem die Saiten unter dem Bogen eher gequält als gestrichen werden.

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Diese physische Unmittelbarkeit findet ihre Entsprechung in der visuellen Inszenierung des Covers, auf dem die Künstlerin vor einer überbordenden Wand aus Blattwerk steht. Das organische Chaos im Hintergrund kontrastiert scharf mit der geometrischen Strenge ihres farbigen Rautenmusters, was den Bruch zwischen der rohen Natur der Schwingung und der bewussten architektonischen Konstruktion ihrer Stücke verdeutlicht. Die Pose wirkt abgewandt, fast so, als entziehe sie sich der direkten Interpretation, um den Raum für die akustischen Ereignisse zu öffnen, die folgen.

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In „For Tamio“ wird die Brooklyn-Subway zur Mitspielerin, deren mechanisches Bremsenquietschen nahtlos in die Hochton-Glissandi des Cellos übergeht. Bordreuil verzichtet konsequent auf elektronische Manipulation, wodurch die akustische Umgebung des Ralph Avenue Bahnhofs eine unheimliche Intimität gewinnt. Die Architektur diktiert die Dynamik, das Instrument antwortet auf die Leere der Tunnel. Es ist eine Kommunikation mit dem Verschwinden, eine dokumentarische Erfassung von Resonanzräumen, die in der Isolation des Jahres 2020 eine neue, lastende Bedeutung erhielten.

Das darauffolgende „Past Continuous“ verschiebt die Perspektive ins Innere eines Flurs, wo ein defektes Klavier und Sinustöne eine pulsierende Unterströmung erzeugen. Die strukturelle Strenge weicht hier einer hypnotischen Statik, die kaum noch greifbar ist. Diese Reduktion markiert den vorläufigen Endpunkt einer Entwicklung, die das Cello von seiner klassischen Last befreit hat, um es als Werkzeug für psychoakustische Grenzpfade neu zu definieren.

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Porträt von Leila Bordreuil im Profil vor einer dichten, grünen Blätterwand. Sie trägt einen dunkelblauen Pullover mit markanten roten und grünen Rautenmustern, während ihr Blick konzentriert in die Ferne gerichtet ist.

Leila Bordreuil – Not an Elegy

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80
außenraum
2022
Not an Elegy
UH -0180- MO

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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