NUBIYAN TWIST Chasing Shadows
NUBIYAN TWIST entwerfen auf ihrem neuen Album CHASING SHADOWS eine fließende Architektur aus organischen Grooves und präzisen Bläsersätzen. Die Produktion von Tom Excell verbindet globale Rhythmik mit einer betont menschlichen Wärme und setzt damit einen bewussten Kontrast zur digitalen Beliebigkeit.
Das Schlagzeug in „Azimuth“ agiert nicht als bloßer Taktgeber, sondern als nervöses Zentrum einer Komposition, die sich jeglicher statischen Rasterung verweigert. Finn Booth spielt hier mit einer kleinteiligen, fast obsessiven Ghost-Note-Ästhetik, die den Raum für die neue Vokalistin Eniola Idowu erst gefährlich eng macht, um ihn dann in den Refrains explosionsartig zu weiten. Diese mikrorhythmische Unruhe zieht sich durch das gesamte Werk und markiert eine Abkehr von den glatteren Oberflächen des Vorgängers. Es ist ein Spiel mit der Reibung, das in der visuellen Inszenierung des Covers eine Entsprechung findet: Die flächige, fast totemistische Darstellung einer gelben Raubkatze und einer verhüllten Gestalt bricht radikal mit der herkömmlichen Abbildung einer neunköpfigen Band. Diese bewusste künstlerische Überzeichnung entzieht Nubiyan Twist der greifbaren Realität eines Ensembles und transformiert die Gruppe in ein grafisches Symbolsystem, das die Grenze zwischen Mythos und technischer Schaltkreis-Ästhetik markiert.
Dort, wo früher vielleicht ein ausuferndes Solo den Fluss dominierte, herrscht nun eine ökonomische Disziplin, die den Song als kompakte Einheit begreift. In „Red Herring“ nutzt Bootie Brown den Raum zwischen den synkopierten Bläserstichen für einen Rap, der die technologische Entfremdung thematisiert, ohne dabei die tänzerische Funktion des Tracks zu verraten. Tom Excell choreografiert diese Beiträge mit einer Souveränität, die Gaststars wie Fatoumata Diawara im Titelsong „Chasing Shadows“ nicht als Fremdkörper, sondern als notwendige klangliche Erweiterung integriert. Die malische Sängerin bringt eine erdige Schwere ein, die im Kontrast zu den silbrigen Gitarrenlinien steht und dem Album eine geografische Weite verleiht, die weit über den Entstehungsort Leeds hinausreicht.
Die strukturelle Stärke zeigt sich vor allem in der Platzierung instrumentaler Akzente wie dem Rhodes-Piano von Joe Armon-Jones in „Rhythm Of You“. Es sind diese spezifischen klanglichen Entscheidungen, die das Album davor bewahren, in die Beliebigkeit eines bloßen Genre-Zitats abzugleiten. Nubiyan Twist vertrauen auf die Unvorhersehbarkeit menschlicher Interaktion in einem realen Raum, was „Mlonje: Voices Joined“ durch die polyphonen Schichtungen der Zawose Queens eindrucksvoll unterstreicht. Die Musik bleibt dabei stets in Bewegung, schwitzt förmlich unter der Last ihrer eigenen Verdichtung und findet doch immer wieder zu einer souligen Leichtigkeit zurück.
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