BONNIE „PRINCE“ BILLY We Are Together Again
BONNIE “PRINCE” BILLY entwirft auf WE ARE TOGETHER AGAIN eine symphonische Folk-Vision über den Zerfall der Menschheit. Das Album markiert den Abschluss einer Louisville-Trilogie sowie die triumphale Rückkehr zur gemeinschaftlichen Produktion im Kreis vertrauter Musiker.
Die Entscheidung für den Standort Louisville markiert bei Will Oldham eine programmatische Abkehr von der Nashville-Ästhetik des Vorgängers. Diese Rückbesinnung auf das Regionale fungiert als strategische Setzung innerhalb eines globalisierten Musikmarktes. Die Einbindung lokaler Akteure inklusive Thomas Deakin sowie Jacob Duncan unterstreicht den Willen zur kollektiven Produktion. “We Are Together Again” bildet den Abschluss einer Trilogie, deren Fundament bereits mit “I Made a Place” sowie “Keeping Secrets Will Destroy You” gegossen wurde.
Das Albumcover zeigt ein grell leuchtendes Primatenwesen inmitten einer nächtlich-blauen Flora; diese visuelle Inszenierung bricht die vermeintliche folk-typische Authentizität zugunsten einer mythischen Überzeichnung des Post-Humanen auf. Die Pose des Tieres korrespondiert mit der im Album verhandelten Ablösung des Menschen durch eine ursprüngliche Ordnung. Produzent Jim Marlowe etabliert eine Klangarchitektur, welche die Fragilität der Kompositionen durch symphonische Dichte stützt. Die Mitwirkung von Ned Oldham nach zwei Jahrzehnten Pause verleiht der Rhythmusgruppe eine historische Schwere. Ryder McNair’s String-Arrangements agieren nicht als dekoratives Element; sie definieren vielmehr die dramaturgische Wucht von Stücken wie “Why is the Lion“.
In “Life is Scary Horses” proklamiert Oldham das Ende der menschlichen Vorherrschaft. „The human times have come and gone“, lautet die kühle Bestandsaufnahme einer Zivilisation am Abgrund. Die vokale Präsenz der Gruppe Duchess in “Bride of the Lion” transformiert das private Klagelied in ein sakrales Gemeinschaftserlebnis. Christopher Bush’s modulare Synthesizer-Eingriffe in “Davey Dead” markieren die strukturelle Grenze der rein akustischen Ausrichtung. Während “The Purple Bird” noch country-eskem Eskapismus frönte, zwingt diese Produktion zur Auseinandersetzung mit dem Unausweichlichen.
Die Musik verweigert sich jeder glatten Auflösung. Jedes Instrument, von Thomas Deakin’s Cornet bis zu Erin Hill’s Harfe, besetzt einen funktionalen Platz in diesem Requiem auf die Moderne. „We Are Together Again“ erweist sich als konsequente Umsetzung einer ästhetischen Isolation, welche die Gemeinschaft als letzte Bastion gegen den kollektiven Zerfall begreift. Die daraus resultierende Schwere bleibt als dauerhafte Konsequenz dieser künstlerischen Selbstverortung bestehen.
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