DEMI LOVATO It’s Not That Deep
DEMI LOVATO tanzt sich frei von Pathos und Schmerz zu rhythmischer Klarheit auf IT’S NOT THAT DEEP ein Rückzug aus der Schwere ihrer Vergangenheit in die leuchtende Künstlichkeit des Pop, in dem jede Hook wie ein Statement ihrer neuen Selbstbehauptung wirkt.
Demi Lovato hat in den letzten Jahren mehr Genres durchquert als viele ihrer Zeitgenossinnen in einer Karriere schaffen. Vom Rock ihrer wütenden „Holy Fvck“-Phase über die selbstreflexive Balladenhaftigkeit von „Dancing with the Devil“ bis hin zur posttraumatischen Pop-Renaissance von „It’s Not That Deep“ führt ihr Weg durch Enttäuschung, Genesung und Wiederentdeckung des Leichtsinns. Nach einer Phase der Erschöpfung, in der sie mit dem Gedanken spielte, sich von der Musik zu verabschieden, findet Lovato auf diesem neunten Studioalbum einen klaren Gegenentwurf: einen Tanzboden, der Heilung simuliert, während er Distanz wahrt. Die elf Stücke, produziert von Zhone, pulsieren im engen Takt zwischen kontrollierter Lust und kalkulierter Oberflächlichkeit.
Schon „Fast“ eröffnet die Platte mit schillernder Eile, ein Song über Geschwindigkeit als Verdrängung. Lovato’s Stimme – technisch brillant, aber unnahbar – legt sich wie eine polierte Oberfläche über synthetische Wellen. In „Here All Night“ verwandelt sie Trennungsschmerz in choreografierte Katharsis, eine Hymne auf den Eskapismus der Clubnacht. „Frequency“ ist das Zentrum der Platte: ein Mantra über Anziehung im grellen Licht, ein Spiel mit Energie, das mehr mit Sound als mit Emotion arbeitet. „I found somebody who can match my frequency“ – die Zeile klingt nach Erleuchtung, bleibt aber eine Projektion, wie alles auf diesem Album.
Zhone kleidet Lovato in makellose Produktion, jede Kick sitzt, jeder Synth glüht, doch selten darf ein Moment atmen. Selbst das späte „Ghost“, die einzige Ballade, wirkt wie ein Zugeständnis an die Vergangenheit, eine Erinnerung daran, dass unter der glänzenden Oberfläche noch ein Echo lauert. Insgesamt ist „It’s Not That Deep“ ein bewusst konstruiertes Popprodukt, das seine Stärke gerade aus der Ablehnung von Tiefe bezieht. Lovato will keine Bekenntnisse mehr liefern, sondern Kontrolle. Das macht das Album handwerklich stark, emotional aber oft leer. Die Kraft liegt in der Präzision, nicht in der Verletzlichkeit.
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