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Gezeichnetes Albumcover mit zahlreichen Menschen, die sich in innigen Umarmungen halten, in Gruppen und Kreisen angeordnet, auf hellem Hintergrund.
ALBUM

Living Thing ANNA TIVEL

2024
MSTAX ALBUMPROFIL

ANNA TIVEL verbindet Intimität, Isolation und menschliche Nähe: LIVING THING als poetisches Zeugnis einer suchenden Songwriterin.

Anna Tivel aus Oregon hat mit „Living Thing“ ein Album geschaffen, das tief im Echo der Pandemie wurzelt und doch weit über diese Zeit hinausweist. Geschrieben im Moment der Isolation, eingespielt fast ausschließlich mit Produzent und Multiinstrumentalist Shane Leonard, verdichtet sich hier ein Werk, das fragile Nähe und beklemmende Distanz zugleich einfängt. Schon der Auftakt „Silver Flame“ zeigt die Spannbreite: eine schimmernde Melodie, die nach etwas Greifbarem außerhalb der eigenen vier Wände sucht, begleitet von der resignativen Erkenntnis, dass es vielleicht keinen Retter gibt außer den Menschen an unserer Seite – „Maybe there’s a great creator, a far off planet trying to save us, but we’ve just got each other for now.“

Tivel bleibt ihrer leisen, eindringlichen Erzählweise treu. „Real Things“ entwirft eine Collage alltäglicher Beobachtungen, von feiernden Nachbarn bis zu verpassten Anrufen, während die Sehnsucht nach einem anderen Leben wie ein stiller Chor im Hintergrund mitschwingt. Mit „Bluebird“ setzt sich dieser Kampf zwischen Tristesse und Hoffnung fort: ein Song, der Septemberabende mit leeren Straßen und flackerndem Licht beschwört, doch immer die Möglichkeit eines Neubeginns andeutet. Ihr Gesang wirkt fast flüsternd, brüchig und zugleich beharrlich, als wolle er durch die Enge hindurch eine andere Welt öffnen. Besondere Momente entstehen, wenn Tivel das fragile Erzählen mit rhythmischer Dringlichkeit verbindet. 

„Desperation“ treibt in synkopierten Bewegungen die Zerrissenheit einer inneren Rastlosigkeit voran, während „Disposable Camera“ fast trotzig ein Gefühl von Aufbruch heraufbeschwört: „You’ll be everything, you’ll be riotous, what a feeling to be alive.“ Hier klingt sie weniger verloren, sondern suchend, beinahe kämpferisch. Im Duett mit Jon Sunde in „Altogether Alone“ spiegelt sich dann die paradoxe Solidarität jener Zeit: Alleinsein als gemeinschaftliche Erfahrung. Das abschließende „Gold Web“ dagegen weitet den Blick ins Unendliche, ein stilles, von Feldaufnahmen durchzogenes Nachsinnen über Sinnsuche und Vergänglichkeit. Das Cover mit seinen ineinander verschlungenen Körpern verstärkt diese Eindrücke: Umarmungen als fragile Anker, festgehalten im Strom der Vergänglichkeit, wie Szenen aus den Songs selbst. 

Die Gesichter scheinen gleichzeitig tröstend und verloren, ein visuelles Echo der Themen, die Tivel musikalisch durchmisst. „Living Thing“ ist kein makelloses Meisterwerk – manche Melodien verharren zu sehr im Flüsterton, die Dynamik verliert sich mitunter in gleichförmiger Zurückhaltung. Doch in seiner Kohärenz, in der Verbindung von Wort, Bild und Klang, bleibt es ein eindringliches Dokument dieser Jahre, getragen von einer Stimme, die gerade in ihrer Zartheit Gewicht entwickelt.

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Anspieltipps: Silver Flame, Bluebird, Disposable Camera

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Basierend auf Stimmung, emotionalem Profil und Klangcharakter von „Living Thing“.

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