WHITE DENIM 12
Indem er sich auf 12 anderen Kompositions- und Produktionsmethoden öffnete, ist es James Petralli gelungen, WHITE DENIM zu verjüngen, ohne dabei die Kontinuität im Kern zu verlieren.
White Denim ist eine jener Bands, die in eine der seltensten Kategorien fallen: Sie sind von Album zu Album zuverlässig exzellent. Es ist der Fluch solcher Gruppen, dass sie oft einfach dahindümpeln und nie Aufruhr verursachen, indem sie einen absoluten Reinfall oder eine den Zeitgeist verändernde Veröffentlichung herausbringen. Die von James Petralli geleitete Gruppe erfreut seit 2008 die Ohren und hat in den vergangenen Jahren viele Besetzungswechsel durchgemacht und dabei Elemente von Soul, Funk und sogar Jazz zum Southern Rock der Band hinzugefügt. Mit COVID-19 kam eine weitere Veränderung. Petralli’s üblicher Ansatz, frische Ideen von Angesicht zu Angesicht auszuarbeiten, war keine Option mehr.
In dieser Situation wurde „12“ die erste LP, die Petralli produzierte und gleichzeitig als Hauptproduzent fungierte. Aus der Not heraus musste sich die „Band“ zu etwas entwickeln, das auf Fernzusammenarbeit basierte, wobei der Songwriter Beiträge von Spielern, die er oft nicht einmal getroffen hatte, akribisch übereinanderschichtete. Der eröffnende Track des Albums, „Light On“, gibt mit schimmernden Flöten- und Marimba-Akzenten, die in jazzige Gitarrenriffs übergehen, den Ton an. Der Track wirkt warm und introspektiv, mit Texten, die sich mit Themen wie Einsamkeit, Wahrheit und Sterblichkeit auseinandersetzen. Tracks wie „Econolining“ und „Flash Bare Ass“ zeigen White Denim’s neu entdeckte Hinwendung zur digitalen Montage.
„Econolining“ ist ein hyperaktiver Rhythmusausbruch, bei dem Keyboards und Percussion um die Wette laufen. „Flash Bare Ass“ taucht tiefer in Themen wie Verbindung und Kreativität ein. Seine vielschichtigen Gesänge und Vocoder-Effekte sorgen für Komplexität und demonstrieren Petralli’s Fähigkeit, technische Präzision mit emotionaler Tiefe zu verbinden. Petralli hat nie mehr wie ein echter Soulsänger geklungen als auf dem herzzerreißenden „Swinging Door“, selbst wenn der Hintergrund zwischen Streichern, Synthesizern, Zither, Flöte, Saxophonen und einem Schlagzeugtrack wechselt, der aus der Arbeit von vier Spielern besteht.
Was „12“ letztlich zu einem so erfrischenden Hörerlebnis macht, ist die gute Zeit, die es uns vermittelt. Es werden einige große Themen angesprochen – Trauer, Hoffnung, Veränderung – aber wie immer liefert White Denim sie auf eine Weise, die einem Lust macht, zu tanzen. Ein aufregendes und leicht experimentelles neues Kapitel für die Band und ihre stimmigste Veröffentlichung seit langem. Ein Hingucker zum Jahresende.
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