Eine atmosphärisch dichte und spritzig fließende Symbiose aus Jazz und Funk reißt das Publikum augenblicklich mit, während MAMA TERRA auf ihrem neuen Album eine ungekannte klangliche Tiefe entfalten.
Die Hinwendung zum spirituellen Jazz markiert in der Entwicklung des Glasgower Keyboarders Marco Cafolla eine bemerkenswerte Verdichtung jener Traditionslinien, die er bereits mit seiner Formation Federation of the Disco Pimp auf dem Album „Inamorata“ angerissen hatte. Während dort die eklektische Fusion-Attitüde dominierte, vollzieht das aktuelle Projekt Mama Terra eine formale Schärfung, die über das ungestüme Debütalbum „The Summoned“ hinausweist. Die Einbindung historischer Referenzpunkte manifestiert sich nicht länger als bloßes Zitat, sondern bildet das Fundament einer tiefgehenden strukturellen Neuordnung.
Diese konzeptionelle Zerrissenheit zwischen kosmischer Weite und irdischer Fragilität offenbart sich bereits auf der visuellen Ebene des Albumcovers. Das zerberstende Gesicht, in dessen Rissen ferne Galaxien aufleuchten, bricht die musikalische Intimität auf und inszeniert das Werk als bewusste theatralische Behauptung einer universellen Verbundenheit. Unter der Regie von Cafolla sowie dem Co-Produzenten Joel Hamilton und dem Mastering-Ingenieur Dave Collins gewinnt diese Inszenierung eine plastische Tiefenstaffelung. Die melodischen Linien von Saxophonist Konrad Wiszniewski fügen sich mit der Sopranstimme von Rachel Lightbody in ein dichtes Gefüge, das im Opener „Inner Space“ von einer eruptiven Dringlichkeit getragen wird.
Die Präsenz des Sprechers Conrad Roberts stellt die entscheidende Verknüpfung zu den geschichtlichen Wurzeln des Genres her. Seine Zusammenarbeit mit Miles Davis auf dem Album „Live-Evil“ erfährt hier eine direkte Fortsetzung, indem historisches Textmaterial in die Gegenwart überführt wird. In „Bliss“ deklamiert Roberts die Zeilen: „Must do better/…Mama Terra, this is no time to die.“ Diese Artikulation fungiert als strukturelles Korrektiv zu den ostinaten Pianofiguren des Stücks. Die Gastbeiträge von Die Ayoub Sisters an Cello und Violine steuern filigrane klassische Texturen bei, während der New Yorker Trompeter Jeremy Pelt in „The Observers“ ein präzises Big-Band-Kolorit einbringt, welches im Kontrast zum nachfolgenden Klavier-Sopran-Duo in „Dear Green Space“ steht.
Das Album artikuliert eine ästhetische Verschiebung innerhalb der Bandhistorie, indem es die stilistische Unverbindlichkeit des Fusion-Jazz zugunsten einer stringenten, programmatisch aufgeladenen Klangsprache aufgibt. Die Einbettung historischer Stimmen und klassischer Instrumentation verschiebt den Fokus von der energetischen Live-Performance hin zu einer komplex arrangierten Studiokonstruktion, die das Werk fest im Kanon des zeitgenössischen britischen Spiritual Jazz verankert.
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