Eine berauschende Fusion aus roher Energie und feministischer Attitüde brennt sich unaufhaltsam in das Gedächtnis, während die kanadische Band THE BEACHES mit ihrem Debütalbum LATE SHOW ein kompromissloses musikalisches Statement voller jugendlicher Rebellion liefert.
Das Albumcover zu “Late Show”zeigt die vier Musikerinnen in den leeren roten Sitzreihen eines Kinosaals oder Theaters – inszeniert zwischen gelangweilter Pose und lauernder Bereitschaft. Es bricht mit der Erwartungshaltung an eine klassische weibliche Rockformation: Keine polierte Pop-Künstlichkeit, sondern ein bewusstes Spiel mit der Theatralik des Raumes, das die nachfolgende musikalische Intimität erst recht in Szene setzt.
Ein dumpfer, fast unbeteiligter Rhythmus eröffnet ein Spielfeld, das sich wenig später in ein flirrendes Gitarrenriff verwandelt. Dieses minimale Detail, diese winzige Verzögerung im Antritt, definiert die gesamte klangliche Haltung, mit der The Beaches ihr Territorium abstecken. Die Stimme bricht kühl durch das instrumentale Fundament, distanziert, fast gelangweilt von den Zumutungen der sie umgebenden Blicke. „You’re just an insult to my eyes and ears and mouth“, lautet das kompromisslose Diktat gleich zu Beginn in „Back Of My Heart“. Es ist die Verweigerung der klassischen Gefälligkeit, die dieses Debütalbum von der ersten Sekunde an strukturell dominiert.
Hier wird kein klassischer Rock-Mythos reproduziert, sondern das patriarchale Begehren seziert. Wenn die Instrumente in „Money“ anziehen, geschieht dies mit einer schneidenden Präzision, die von den Mitgliedern der Band Metric formtechnisch messerscharf geschliffen wurde. Die kapitalistische und sexuelle Konsumwut wird nicht nostalgisch verklärt, sondern als treibende, monotone Kraft ausgestellt. Der Refrain „I need to make some money, need to make money“ fungiert nicht als stumpfe Parole, sondern als zynisches Mantra einer Generation, die sich ihrer eigenen Verwertbarkeit im popkulturellen Zirkus schmerzhaft bewusst ist.
Die eigentliche subversive Kraft entfaltet sich in der Dekonstruktion männlicher Projektionsflächen. In „Let Me Touch“ wird das Zelluloid-Idol entzaubert: „But I’m just a girl, I’m not a thing“. Diese Zeile kippt die vermeintliche Schwäche um in eine angriffslustige Souveränität. Die Basslinien von Jordan Miller dominieren das Klangbild mit einer fast körperlichen Präsenz, während die Gitarrenkaskaden ihrer Schwester Kylie die Songs vorantreiben. Es ist ein radikaler Entzug von Niedlichkeit.
Selbst in den vermeintlich ruhigeren Momenten wie „Highway 6“ bricht das Unbehagen durch die glatte Oberfläche. Der Wechsel in ein hohes, fast schwebendes Falsett dient hier nicht der emotionalen Beruhigung, sondern markiert den Moment des kontrollierten Kontrollverlusts. Das Album verharrt bis zum finalen Akkord von „Sweet Life“ in dieser anfechtenden Unruhe, die keine Versöhnung anbietet.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
