Euphorisierter Pop-Rock zwischen Post-Punk-Gitarren und queerem Herzschmerz: THE BEACHES verarbeiten auf ihrem dritten Studioalbum NO HARD FEELINGS das emotionale Chaos zwischenmenschlicher Beziehungen mit entwaffnender Direktheit.
Ein stammelndes, fast unkontrolliertes „d-d-don’t say it“ leitet den ersten Song ein, eine sekundenkurze vokale Selbstdisziplinierung, bevor die angestaute Frustration ungefiltert hervor bricht. Diese winzige, impulsive Geste am Mikrofon markiert die gestalterische Achse, auf der sich die neuen Stücke bewegen. Es ist das musikalische Dokumentieren eines Kontrollverlusts, der sich im selben Moment als kalkulierte ästhetische Befreiung tarnt. Jene nervöse Zurückhaltung weicht einer unbändigen, fast aggressiven Direktheit, die sich sofort in einer klanglichen Verdichtung entlädt.
Das visuelle Dokument dieser Inszenierung bricht dabei radikal mit der vermeintlichen Intimität der Songs. Das Albumcover zeigt einen nackten Oberkörper in weißer Unterwäsche, auf der sauber geschwungen der Albumtitel platziert ist. Diese kalkulierte Pose verhandelt die Grenze zwischen schutzloser Authentizität und popkultureller Theatralik, indem sie Intimität zur Schau stellt, während der Blick auf das Gesicht verwehrt bleibt. Es ist eine bewusste Äußerlichkeit, welche die emotionale Zerrissenheit der Texte wie eine Rüstung ummantelt und die klangliche Offenheit visuell abfedert.
Diese dialektische Bewegung zieht sich durch das gesamte Werk von The Beaches, das sich merklich von den rauen Garage-Rock-Wurzeln der Frühphase distanziert hat. Unter der Regie von Produzenten wie Gus van Go vollzieht das Quartett eine funktionale Transformation hin zu einem tanzbaren, post-punkigen Surf-Pop, der an die rhythmische Präzision von Haim erinnert. Die elf präzise austarierten Drei-Minuten-Stücke nutzen euphorische Chöre und federnde Basslinien als Schutzraum für Texte, die von zerrütteten Beziehungen, queerem Begehren und der Flucht in den Exzess künden. In „Can I Call You in the Morning?“ bricht sich diese Überforderung bahn: „I hate your boyfriends, I hate your girlfriends / I hate your boyfriend’s girl friends“ artikuliert eine radikale Absage an die eigene Impulskontrolle.
Die Songs fungieren hierbei weniger als chronologische Erzählung, sondern vielmehr als Belege für eine fortlaufende kollektive Bewältigungsstrategie. Das von Keyboarderin Leandra Earl inspirierte „Did I Say Too Much“ übersetzt post-populäre Orientierungslosigkeit in ein funkelndes melodisches Korsett, während das unbeschwerte „Sorry For Your Loss“ mit punchigen Drums und einer fast trotzigen Resilienz arbeitet. Die Band verhandelt kollektive Sorgen als kathartische Partyhymnen, was sich besonders im finalen „Last Girls at the Party“ manifestiert. Hier löst sich die anfängliche, zögerliche Nervosität in einem hypnotischen, an die Formation The Drums erinnernden Gitarrenrhythmus auf. Das initiale Stammeln ist einer kollektiven Euphorie gewichen, die das persönliche Drama im energetischen Rauschen der Nacht verschwinden lässt.
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