Charli XCX – how i’m feeling now

Nachdem Charli XCX mit ihrem Livestream-Programm der letzten Wochen so etwas wie die ungekrönte Königin der Coronavirus-Wohnzimmer-Auftritte geworden ist, geht die Britin nun konsequent den nächsten Schritt – und erschafft ein Album, das komplett in heimischer Selbstisolation geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht wurde. Wenn ein Popstar einzigartig ausgestattet ist, um in schwierigen Zeiten kreativ zu sein, dann ist es Charli XCX. Wie ihr stetiger Strom an Singles, EPs, Mixtapes, Alben und Kollaborationen bestätigt, ist es ihr natürlicher Seienszustand, produktiv zu sein. Sie ist auch über ihre Social-Media-Plattformen bemerkenswert mit ihren Fans und anderen Künstlern verbunden und hat diese Version des Ruhms aus den 2020er Jahren genutzt, um Fans in ihren kreativen Prozess einzuladen. Und so ist auch die Musik von Charli XCX am besten, wenn sie so klingt, als würde sie rücksichtslos aus den Tiefen des Internets hervor stürmen, synthetische Ausbrüche durcheinander gebrachter Emotionen.

Ihr viertes Album ist so aufregend und sofort einnehmend, dass Charli uns in Echtzeit auf ihre emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. „how i’m feeling now“  lässt uns in all die Gefühle eintauchen, die entstehen, wenn wir auf absehbare Zeit in unserem Haus eingesperrt sind. “I just want to feel in different ways / every single night kind of feels the same,” beklagt sie sich im dunklen, elektro-infundierten Opener „Pink Diamond“, einen Track, der mit seinem pulsierenden Beat und einem impulsiven Schaudern den Wunsch widerspiegelt, “to go hard“. Als nächstes hören wir die Single „forever“, eine sprudelnde melodische Nummer, über “I’ll love you forever / even when we’re not together”. Auf dem clubtauglichen „Anthems“ spricht sie etwas nur allzu bekanntes aus: “wake up late, eat some cereal / try my best to be physical, lose myself in a TV show / staring out to oblivion / all my friends are invisible / twenty-four seven, miss ‘em all”.  

Im funkelnden Kaugummi-Pop von „Detonate“, einer Sprachnotiz, befasst sie sich mit ihren Selbstzweifeln, die nach einer Telefontherapiesitzung aufgezeichnet wurden. “I think it’s a tough journey to be on, whilst you’re around a lot of people, I feel like I’m learning that about myself, and I don’t fully really understand it yet, it hurts here, it hurts here.” Es ist vielleicht nicht die richtige Fortsetzung früherer Veröffentlichungen, aber „how i’m feeling now“ verleiht den Songs durch die Rohheit und Unmittelbarkeit einen ganz eigenen Reiz. Es ist mehr als nur ein interessantes Social-Media-Experiment oder eine Möglichkeit, Langeweile in Quarantäne tot zu schlagen. Es ist eine künstlerische Herausforderung, die den allerbesten Teilen der Musik von XCX entspricht.