Younghusband – Dromes

Wenn ich an das letzte Jahr denke, dann verbinde ich es mit dem Debüt von Younghusband. Es war das perfekte Album, der vorzügliche Soundtrack für den Übergang von Sommer zu Herbst. Die Stimmung ist melancholisch, nachdenklich und verträumt. Sie erinnert an die schonende, plätschernde Traurigkeit, wenn über uns die Nächte kälter werden und sich die Pubs wieder zu früherer Stunde füllen. In einem dieser Pubs, vermutlich im Hinterzimmer, saßen auch Younghusband und beschäftigen sich im Dunst des Shoegaze mit der Motorik der Kraut-Rock Rhythmen. Sie sind Verwandte von The Jesus And Mary Chain und The Brian Jonestown Massacre, nutzen die blühenden Beatles-Melodien unter Ihren verzerrten Instrumenten und führen sanft im eröffnenden Stück ‚ Running Water ‚ die bittersüßen Harmonien über Hinshelwood’s Gesänge. Hinzu gesellen sich einfache, aber perfekte Basslinien, die als Neo-Psychedelic und Shoegaze die gebündelte Konzentration hypnotisch in unsere Gehörgänge einarbeiten.

Überall auf ‚ Dromes ‚ finden sich luftige Gesänge, akustische Überschwemmungen, kalte metronomische Pieptöne und warme sporadische Gitarren, die bevorzugt aus dem Hintergrund Ihre atmosphärischen Irritationen entgleiten lassen und teilweise zu einem dramatischen Anstieg in den Melodien beitragen. Bestes Beispiel dafür ist der epische Indie-Pop Song ‚ Silver Sisters ‚ – und darin zeigt Euan Hinshelwood deutlich seine Fähigkeiten im Songwriting und das damit verbundene gelöste Hörerlebnis. Die Texte handeln metaphorisch über Flucht und Wasser. “There is a lot about the passing of time. The lack of time. The abundance of time. The wasting of time. I wrote half the songs when I was living alone in a former drug and alcohol rehabilitation centre on the cheap. It was a strange time and a strange place. I didn’t think it was having an effect on me, but these things sometimes only become apparent later. I guess that explains the sense of detachment.” Ebenso brillant ist das folgende ‚ Reunion Message ‚ mit seinen pulsierenden Gitarren, während Hinshelwood verstörend wiederholt „I couldn’t provide“ und sich dann alles in den letzten 45 Sekunden in einem massiven Ansturm an hallenden Gitarren entlädt.

‚ Dromes ‚ ist voll von guten Pop-Songs und im Gegensatz zu vielen Kollegen zeichnen sich Younghusband eben dadurch aus, stützen sich nicht alleine auf den verträumten Shoegaze. ‚ Sunstroke ‚ ist introvertiert und süß, die läutenden Gitarren erinnern an Johnny Marr, während ‚ Constantly in Love ‚ ebenso schläfrig wie auch romantisch die Hörgewohnheiten Ihrer Erfinder widerspiegelt. Und nach vierzig allzu kurzen Minuten ist alles vorbei. Euan sieht das gleichnamige Schlussstück dabei als eine fast malerische Reflexion auf die Band selbst: “Drones, dreams… It means, loosely, a large, specially prepared place. I like its link to the word aerodrome, like an area of departure, somewhere to take flight from.” Ein schönes Jahr 2013 hatte damit den heimlichen Höhepunkt erreicht.