Wilco – Ode To Joy

„Ode to Joy“ symbolisiert perfekt den Musikstil und die Eigenheiten der Band, die Wilco seit langem zu einer festen Institution des amerikanischen Indie-Rocks nach dem Millennium gemacht haben. Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen Tweedy und seine Band den kreativen Rahmen überschritten haben, sind sie zu ihren Stärken zurückgekehrt, anstatt sich auf neues Terrain zu begeben. Und dennoch könnte die Platte eine der besten Veröffentlichungen der Band seit Jahren sein. Also lassen sich Wilco nieder? Die Antwort ist vielleicht, aber das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache.

 

Diese Platte ist ein gedämpfter, atemberaubender Marsch der Traurigkeit, der unglaublich leise beginnt. Das eröffnende Quartett ist ein langsamer Abbrand, der nach dem strengen, metronomischen „Bright Leaves“, dem Velvet Underground inspirierten „Before Us“ und der Schlafzimmer-Lieblichkeit „One and a Half Stars“ schließlich auf halbem Weg in einer majestätischen Welt zu erblühen beginnt. „Quiet Amplifier“ mit seiner feinen Sturktur, dem sorgfältig ausgearbeiteten Crescendo und dem zarten Gefühl, dass es in der Tat Güte und Glück in der Welt geben kann. „Prayers run along the wires/Honey, no train’s going to come/I have waited my whole life/I’ve tried in my way to love everyone.“

Die Texte sind sanft und Tweedy’s Einfühlungsvermögen als Songschreiber ist erneut von größter Bedeutung. Auf dem bereits angesprochenen „Before Us“ findet Tweedy Hoffnung im Nachdenken und ermutigt uns, in der Geschichte nach Bestimmtheit zu suchen: “I’m worried about the way / We’re all living/ If I stay in bed all day / I won’t escape / My domain.” Am Ende findet sich jedoch Freude, wenn der Protagonist des Songs die Hoffnung als Katalysator nutzt:  “I’m left with only my desire to change.” Auch der Einfluss von Schlagzeuger Glenn Kotche ist hier stärker ausgeprägt als auf den vorherigen Alben der Band. Sein minimalistisches Drumming treibt einige der stärksten Momente des Albums an. 

Anstelle von großen, akustischen Verschiebungen sind es die kleinen, nuancierten Berührungen, die dem neuesten Album von Wilco seine einzigartige Farbe verleihen. Es ist etwas mehr als drei Jahre her, dass Wilco das letzte Mal im Studio waren, doch diese Zeit hat der Band offenbar gute Dienste geleistet. „Ode to Joy“ ist der Höhepunkt einer musikalischen Entwicklung, auf die Wilco seit Jahren hingearbeitet haben.