Tinashe – Songs For You

„Fuck it / gotta go with the feeling“, betont Tinashe kühn inmitten der lustigen, psychedelischen Synthies des Höhepunkts „Stormy Weather“ aus ihrem neuen Album „Songs For You“. Ein Song der mit seinen unterhaltsamen Texten andeutet, dass Tinashe ihr Mojo gefunden hat und jetzt instinktiver arbeitet. Im selben Song spricht sie jedoch auch davon, stilistisch vor und zurück zu blättern und dabei unabsichtlich die Schwächen dieser Platte zu verdeutlichen. Tinashe wechselt so aggressiv zwischen den Genres, dass die Platte unscharf und sporadisch wird. Natürlich ist nichts falsch daran, dass Tinashe emotionale Dualität zeigt, aber wenn man so scharf von R&B über Rap zu Stadium-Pop und dann wieder zu EDM übergeht, fühlt man sich mit „Songs For You“ ein wenig schwindelig gespielt. 

Es hört sich so an, als würde Tinashe sich immer noch zu sehr bemühen, sich zu beweisen, als würde sie Songs für ein bestimmtes Publikum machen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, ein Album mit einem einheitlichen Thema zu machen. Etwas das alles zusammenhält – es ist wie das Besitzen eines glanzvollen Hauses, dass im Inneren aus einem zusammengewürfelten Interior besteht. Es ist jedoch auch der Beginn von etwas Neuem. 2014 hat sie die Welle des Low-Key-R&B mit so viel Selbstvertrauen und Elan bestritten, dass sich ihr Major-Label-Debüt „Aquarius“ wie der Beginn von etwas wirklich Erstaunlichem anfühlte. Und dann steckten die großen Labels ihre Klauen aus. 

Es war der klare Versuch, von Trends zu profitieren, und ein Albumzyklus, der so aussah, als würde er niemals die Startphase erreichen, frustrierte Tinashe. Verschleierte Instagram-Posts und durchgesickerte Soundcloud-Snippets zeigten eine Künstlerin, die nur frei sein wollte. Anfang des Jahres wurde das Band zu ihrem Label durchschnitten und so ist Ihr neues Album nun auch ein Neustart. Auf fünfzehn Tracks springt Tinashe von Genre zu Genre, eine Fülle von Ideen, die sie jahrelang zurückhalten musste. Dies ist Tinashe mit einem neuen Gefühl des Vertrauens und es ist über weite Strecken ansteckend. Songs wie „Life’s Too Short“, „Story Of Us“, „Touch & Go“ und „Know Better“ bieten Raum für sinnliche Momente und erinnern an den Beginn ihrer Karriere. 

Vielleicht ist das kraftvolle „Know Better“ der beste Moment des Albums. Ein Lied, bei dem eine zerbrochene Tinashe mit grandiosen Streichern und einem viel nachdenklicheren Songwriting-Stil experimentiert, was darauf schließen lässt, dass sie immer noch von Traumata ihrer Vergangenheit heimgesucht wird. An anderer Stelle deutet sie an, was alles hätte passieren können, wenn ihr Pop-Potenzial 2015/2016 voll ausgeschöpft worden wäre. Wenn Tinashe in Zukunft den Fokus auf diese von Herzen kommende Musik legt und sich nicht mehr verpflichtet fühlt alle Genres bedienen zu müssen, dann ist es schwer vorstellbar, dass die Massen sie nicht bemerken werden.