The National – I Am Easy To Find

Auf dem neuen Album „I Am Easy To Find“ sind spärliche Arrangements, Orchestrierung und zurückhaltende Elektronik an der Tagesordnung, die oft so klingen, als hätten sie sich seit Tagen nicht mehr rasiert. Wenn hier die Komplikationen von Beziehungen mit gewohnter Eleganz hinterfragt werden(„I will love you like there’s razors in it”, “I’m still waiting for you every night with ticker tape“), schwelgen die Songs oft in langsamen Enthüllungen. Dorsey übernimmt die Führung in „Hey Rosey“ mit schwebenden Streichern. Der von Kate Staples gesungene Titelsong mit seinen elektronischen Pieptönen und dem gespenstischen Waldhorn ist so zart wie nie zuvor gehört. Das stattliche Klavierspiel ist eines Nick Cave würdig.

Das Beste auf dem neuen Album ist aber der Ausreißer „Not In Kansas“. Aufbauend auf einem einzigen optimistischen Gitarren-Lick, der an Michael Rother’s Solowerk erinnert, lässt sich Berninger abschweifen und verwebt eine Geschichte, die eine Grenze zwischen perfekt gewichteten Anekdoten aus der Kindheit und den emotionalen Glanz eines verblassten Familienfotos verknüpft. Im Gegensatz zu „Fucked Ups Dose Your Dreams“ aus dem letzten Jahr ist „I Am Easy To Find“ voller unterschiedlicher Stimmen, die Berninger manchmal unterstützen, manchmal ganz ersetzen. Es gibt einen bemerkenswerten Unterschied zu der isolierten Einsamkeit, die in den Texten der früheren Arbeit der Gruppe zu finden ist. 

Bei einer Länge von 68 Minuten und 16 Tracks wird die Länge im dritten Quartal zum Thema. Doch bleibt das neue Album in seiner Gesamtheit eine aufregende Kollision aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es ist eine Erweiterung der Themen Unsicherheit und Anspannung, aber auch eine Aufmunterung neue Wege zu beschreiten. Die Gruppe scheint zu wissen, dass sie an der Schwelle zu etwas Neuem steht.

7.4