The Joy Formidable – The Big Roar

Eine Frage zu Beginn: Welches Detail wird bei Kritiken im Musikbereich fließend übergangen? Natürlich die umliegende Aufmachung des Inhalts. Das Artwork, das Booklet, eben die vielen Geschichten darum. Meist wird dem nur wenig Beachtung geschenkt und bei genauerem Blick bedarf dieser Umstand keine Unterstützung. Deshalb hier das Lob für das Artwork, dessen kreative Künste nicht nur bezaubernd aussehen, sondern zugleich in wunderbarer Art und Weise dessen Inhalt widerspiegeln. Des Weiteren hatte die Platte ‚ The Big Roar ‚ eine lange Vorbereitungsphase und schaffte schlussendlich den Sprung an die Öffentlichkeit. Nicht zuletzt durch dieses nachhaltige Kompliment: „We’ve seen rock’s future, and it’s Welsh, blond and has a drummer so badass he makes Keith Moon sound like your Mom playing Rock Band“. Das nämlich meinte der US Rolling Stone 2010 über The Joy Formidable. Und was Frontfrau Ritzy mit ihren Bandkollegen Rhydian und Matt fabriziert, wirkte nach dem ersten Durchlauf tatsächlich sehr energievoll.

Nachdem das walisische Trio ihr erstes Minialbum in Eigenregie aufgenommen haben und fast ununterbrochen tourten, legen sie uns nun ihr Debütalbum ‚ The Big Roar ‚ vor die Füße. Ein episches Werk voller wirbelnder Gitarren und auftürmenden Soundwände. Eingehüllt in taktvollen Melodien, einer makierenden Progression in Bezug auf die erste EP und betörende Umarmungen zwischen monumentalen und ehrgeizigen Songs. The Joy Formidable beginnen im Opener ‚ The Ever Changing Spectrum Of A Lie ‚ mit einer langsamen Verbrennung, blicken melancholisch in die Flammen und vereinen sich abschließend mit dem wunderschönen schlichten Gesang von Ritzy Bryan. Es folgen Minuten der besitzergreifenden Direktheit und eine laut-leise Dynamik, die wir das letzte Mal bei Nirvana erleben durften. Wesentlich einfacher springt uns kurz darauf ‚ Magnifying Glass ‚ an die Gurgel, dessen Rhythmen niemals unserem Widerstand nachgeben würden. ‚ Austere ‚ prallt gegen eine verträumte Indie-Pop Leichtigkeit und ‚ Cradle ‚ verstärkt mit den treibenden Beats den Kontrast aufsteigender Pop-Sensibilität. Bemerkenswert auch der sichtbare Überblick zwischen ‚ Austere ‚, der ersten EP, und den neuen Songs. Der mächtige Schritt nach Vorne ist nicht zu übersehen.

Grandios erinnert ‚ A Heavy Abacus ‚ an einen evozierenden Augenblick und durch das drückende Hochwasser ein wenig an The Smashing Pumpkins, makiert damit aber dennoch einen neuen Höhepunkt, dessen Stellung unangefochten sein dürfte. Nach solch einem sensiblen Angriff der Waliser, folgt in ‚ Whirring ‚ ein sanfter und entwaffnender Einstieg, der schließlich in typisch kraftvollen Gitarren und siegreichen Drums entweicht. ‚ Cradle ‚ tingelt zwischen den Pixies und den Blood Red Shoes in beschwingter Leichtigkeit, während sich ‚ Llaw = Wall ‚ zu einer düsteren Angelegenheit entwickelt, sich angstvoll den Staub aus den Augen wischt und kurz darauf in einen verzweifelten Chor die Erlösung findet. Die Variable von The Joy Formidable bleibt dabei bis zum Ende die feste Konstante. Es ist eine Wandlung in all Ihren Facetten, der Punk schlägt uns in ‚ Chapter 2 ‚ windelweich, stellt so die letzte Überraschung dar und hinterlässt ein wabberndes Spektrum, dessen frenetische Riffs und austreibende Schlafheit noch lange in unseren Ohren nachhallen werden.

8.5