THE DOORS entwerfen auf WAITING FOR THE SUN ein hell flackerndes Spannungsfeld aus Weite, Unruhe und fein geschichteter Psychedelik. Das Album verbindet lichte Oberflächen mit abrupten Absenkungen ins Düstere, arbeitet mit präzisen Arrangements und einer eigenwilligen Studioproduktion.
Über einem dämmernden kalifornischen Horizont stehen vier Gestalten im hohen Gras, still und zugleich gespannt, als hielten sie den Übergang zwischen Licht und einsetzender Schattenzone fest. Das Cover von „Waiting for the Sun“ öffnet eine Szenerie, die sich im Verlauf der Platte entfaltet: flirrende Oberfläche, darunter ein beständiges Beben, ein kaum zu greifendes Spannungsverhältnis zwischen Wärme und Unruhe. „Love Street“, „Wintertime Love“ oder „Spanish Caravan“ wirken zunächst wie kleine Lichtungen innerhalb dieser Landschaft. Ihre Harmonieschichtungen, die weichen Dialoge zwischen Robby Krieger’s Gitarre, Ray Manzarek’s Tastflächen und Jim Morrison’s konzentriert geführtem Bariton erzeugen einen Eindruck von Ruhe, der jedoch nie ungebrochen bleibt.
Der Klangkörper lebt vom Gegeneinander dieser Elemente. Manzarek’s Orgel und Piano legen helle, fast ätherische Schleier über die Arrangements, während Krieger mit kantig-melodischen Figuren feine Risse in diese Helligkeit treibt: besonders in den Flamenco-Passagen von „Spanish Caravan“, die eine exotisch vibrierende Spannung eröffnen. John Densmore führt die Tonspur mit kammermusikalischer Präzision, setzt seine Akzente wie Atemzüge im Hintergrund. Über allem bewegt sich Morrison, dessen Gesangshaltungen stärker wechseln als zuvor: sanft sprechend, dann mit feiner Ironie, im nächsten Moment eruptiv, getragen von einer Stimme, die durch seinen Alkoholrausch zugleich brüchiger und expressiver wirkt.
Die Studioproduktion arbeitet mit weiten Hallräumen, transparenten Tonspuren und elegant gesetzten Effekten. Eine Leichtigkeit durchzieht das Album, die sich jedoch ständig mit politisch glimmenden Unterströmungen verschränkt. In „The Unknown Soldier“ entsteht ein fast filmisches Szenario, das im Wechsel aus gedämpfter Strophe und eruptiver Fanfare ein bedrängendes Spannungsfeld erzeugt. „Not to Touch the Earth“ öffnet eine schwelende Psychedelik, deren Energie aus gebrochenen Rhythmen und scharf konturierten Klangschüben wächst. „Five to One“ beschließt die Platte mit einem schwer atmenden, fast martialischen Druck, der die sonnigen Passagen des Albums wie ferne Erinnerungen erscheinen lässt.
So behauptet „Waiting for the Sun“ von The Doors einen eigenen Platz im späten Jahrzehnt: ein Werk, das mit Helligkeit lockt, während unter der Oberfläche eine feine Spannung vibriert, die nie ganz zur Ruhe kommt.
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