The Decemberists – The Hazards Of Love

Ja die Decemberists gibt es nun schon seit acht Jahren, es entstanden in der Zeit fünf Alben, sechs EPs und die Live DVD ‚ A Practical Handbook ‚. Dabei blieben sich die Portländer stets Ihrem Sound treu – Zumindest bis zur letzten fulminanten Platte ‚ The Crane Wife ‚. Inszenierte Popsongs und theatralische Folksongs, dekadenter Indierock und befremdliche Sound Arragements waren die erfolgreichen Zutaten der Decemberists. Doch nun schlagen die Portländer auf Ihrer neuen Platte ‚ The Hazard Of Love ‚ einen etwas härteren Ton an. Allen voran der E-Gitarrist Chris Funk mit seinen entfesselnden Riffs, mal langsam stampfend in ‚ Won´t Want For Love (Margaret In The Taigra) ‚ – das übrigens von der wunderschönen Stimme der Sängerin Jenny Conlee untermalen wurde, oder lässig mit Swingeinlagen in ‚ The Wanting Comes In Waves/Repaid ‚. Auch schwerfälliger denn je walzen die Akkorde über unebene Landschaften, verwandeln ‚ The Queen´s Rebuke/The Crossing ‚ in eine düstere Low-Tempo-Nummer. So schwer verdaulich die Riffs, so zugänglich ist die neue Platte auf den Hörer.

Der Rock steht zwar auch weiterhin nicht im Vordergrund, rückt aber in eine nicht ganz unwesentliche Position, die von Sänger Colin Meloy so gewollt war: „Initially conceived as a musical… but I decided about halfway through my time in France that it wasn’t going to work as a stage piece. But it would still work as a rock record, so that’s where it ended up.“ Und das Ergebnis erschließt sich durchaus als sinnvolle Weiterentwicklung, zudem ist das Album mit grandiosen Erzählungen bestückt. Die Hauptdarsteller sind diesmal eine leidgeprüfte junge Frau, dessen Liebhaber William und eine Schar an Nebenbuhlern. Hinzu gesellt sich die Waldkönigen und eine Schar an verschiedensten Monstern. Die zentralen Erzählstränge werden in den vier Titelstücken „The hazard of love“ vorangetrieben und verlaufen schlussendlich immer wieder in Interludes und dramatische Seitenhiebe, die das Bild der Geschichte stets verschleiern und undurchsichtig erscheinen lassen.

Neben dieser fesselnden Geschichte beleben natürlich auch eine ganze Menge an Instrumenten und Streicher Arrangements die Stimmung und auch Kinderchöre kommen in ‚ The Hazards Of Love 3 (Revenge!) zum Einsatz. Was dafür der ein oder andere schmerzlichst vermissen wird, sind die eingängigen Refrains früherer Tage. So spannend und, ja grandios die Erzählung über William und Margaret auch sein mag, die netten Wendungen und all Ihre Bösewichter – musikalisch gesehen bittet die Platte zu wenig Abwechslung. Aber für alle Geschichtsliebhaber ist das fünfte Album der Decemberists genau das richtige. Überall lassen sich lustige und geistreiche Wortspiele finden, „I was wedded and it whetted my thirst“, sowie hinterhältige Vorahnungen in ‚ The Rakes Song ‚. Das ganze ist wie eine Lesestunde im Märchenbuch – mit dem Unterschied zu hören statt zu lesen.