Soccer Mommy – Color Theory

Seit der Veröffentlichung ihres konfessionellen Debütalbums „Clean“ im Jahr 2018 hat sich Sophie Allison von der Indie-Pop-Künstlerin zum vollwertigen Rockstar entwickelt. Unter ihrem Projektnamen Soccer Mommy tourte sie nonstop, spielte größere Shows und erreichte genug finanzielle Unabhängigkeit, um aus dem Haus ihrer Eltern in eines mit ihrer Schwester zu ziehen. Im Moment laufen die Dinge gut. Aber Allison, bekannt dafür, komplexe Emotionen in verdauliche Texte zu verwandeln, erfüllt ihr neues Album „Color Theory“ sowohl mit Bedrängnis als auch mit freudigen Klängen, die kontemplative Gedanken maskieren. Das Projekt ist in drei Farben unterteilt. Es beginnt mit Blau, was für Melancholie steht. Das führt zu Gelb, für geistige und körperliche Erkrankungen, bevor es mit Grau umwickelt wird, was die Angst vor Verlust bedeutet. Während diese Abschnitte gut sichtbar unterteilt sind, überschneiden sich die Themen dagegen häufig und verflechten sich ineinander.

Die glitzernden Gitarren und der zurückhaltende Studio-Glanz des neuen Albums sind glatter als bei „Clean“ und werden von ihrer Touring-Band aufgepeppt. Sie bringen ihren Sound näher an Taylor Swift und an bekannte Alt-Rock-Legenden der 90er Jahre wie Built to Spill und Sebadoh. Allison’s Fortschritt als Songwriterin zeigt sich deutlicher in dem dunkleren, gewichtigeren Thema des Albums: Sie greift weiterhin auf persönliche Erfahrungen zurück und meidet weitgehend Songs über ihr Liebesleben, statt ihre Probleme mit psychischer Gesundheit und Verlassenheit zu konfrontieren. „Color Theory“ geht selten über die zugegebenermaßen reichhaltige Vorlage hinaus, die im eröffnenden Stück „Bloodstream“ festgelegt wurde. Hier bietet Allison offene und poetische Überlegungen zu ihrer Geschichte der Depression und Selbstverletzung an, während Rhythmusgitarren hinter ihr her dröhnen. Ihre viszeralen Texte – “Now a river runs red from my knuckles into the sink” – werden teilweise durch eine täuschend fröhliche Akkordfolge verdeckt, so wie sie einst “covered up the wounds with my long sleeves.”

Allison schrieb die meisten Songs zum neuen Album während Ihres Lebens auf Tournee. “I like to write all the time, especially when I’m bored in the car.” 2019 reisten sie und ihre Band in die Alex the Great Studios in Nashville, wo Yo La Tengo in den Neunzigern arbeiteten, um dort aufzunehmen. Allison wollte, dass sich „Color Theory“ wie “a dusty old cassette tape that has become messed up over time“, anhört. An anderer Stelle hat sie Feldaufnahmen aus Fabriken aufgespürt, um eine grobkörnige, aufgelöste Stimmung zu erzielen. Songs wie „Grey Light“ ließen sich von den aufgewühlten Qualitäten von Tori Amos’ „To Venus and Back“ inspirieren. Trotz Allison’s Ängsten und Befürchtungen schließt sich der Kreis durch dieses düstere „Grey Light“, dass sie als das perfekte Ende ansieht. “I am looking back to youth at the beginning of the record, and on Gray Light, I’m looking forward to growing old,” sagt sie. Am Ende von „Color Theory“ hat Allison ihre eigene Form der Akzeptanz gefunden – unter Berücksichtigung der Ängste, die sie die ganze Zeit hatte.