Self Esteem – Compliments Please

Für ein Projekt, dessen Name als Scherz begann, zeigt Self Esteem’s Solo-Debüt nun, dass sie eine Million Meilen von ihrer alten Band entfernt ist. Sie ist über diese 16 Songs hinweg bedürftig, rachsüchtig, klug und begehrenswert. Ein Bandname, der vor zehn Jahren als satirischer Scherz über Rebecca Lucy Taylor’s Unsicherheiten und Selbstzweifel geprägt wurde, hat sich in ihrer neuen Kollektion „Compliments Please“ karmisch als prophetische Absichtserklärung erwiesen. Kompromisse und äußere Erwartungen anderer forderten allmählich ihren Tribut in das eigene Vertrauen des ehemaligen Slow Club-Mitglieds, das sich als eine Hälfte eines Duos immer als „sanfte“ Version ihres tatsächlichen Selbst fühlte. Die Gefühle werden nun oft im Falsett ausgedrückt und von kräftigen HIntergrundgesängen unterstützt, die den Sinn Ihres neuen Selbst als beeindruckende Präsenz untermauern. “What does it matter / She hated me the whole time,” singt sie über die Mutter ihres Ex auf „Steady I Stand“ und pustet ihre ungehinderte Empörung mit großen, heftigen Stößen aus.

Nicht mehr auf einen Teil der Gesamtsumme von Slow Club reduziert, lässt ihre erste Aufnahme als Self Esteem ihre Fähigkeiten als Songschreiber in all ihrer fehlerhaften Pracht aufblühen – durchsetzungsfähig und verletzlich zugleich, kombiniert sie Pop-Flirts mit High-End-Hochglanz-Produktionen. Aber sie hat ihre Wurzeln immer noch in der langsamen Atmosphäre, die ihre bisherige Arbeit beflügelte, und auch einige Einflüssen aus dem Bereich R&B sind deutlich wahrnehmbar. „The Best“ ist ein phantastischer Einstieg in dieses Debüt und ein Song, auf den wohl auch Beyoncé stolz wäre und über die Befreiung beschreibt, es alleine zu schaffen und Stärke zu projizieren, in einer Branche, die den Erfolg selbstbewusster Frauen noch immer erschwert. Eingebettet in gesprochene Wort-Zwischenspiele funktioniert es wunderbar als Konzept des Solo-Lebens – die Freiheit, Ideen nach Belieben zu erkunden, ohne über „kreative Unterschiede“ sprechen zu müssen.

Ihre Liebe zum Hip-Hop ist im Kern von „Compliments Please“ verankert. Sie meidet viele der Arrangements von Slow Club, um einen weitaus mutigeren Sound zu erzielen und nach 16 Tracks ist klar, dass es Taylor nicht an Ideen mangelt. “Only now am I feeling like it’s alright to be ambitious or have ideas. It’s blowing my mind,” stellte sie kürzlich fest.  “I was so girly, so submissive. And it’s time to just be true. No one’s gonna fuck with me now.” Diese Platte muss man lieben und den Respekt aussprechen, den diese Veröffentlichung verdient.