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PINK FLOYD A Momentary Lapse of Reason

1987

Das 13. Studioalbum A MOMENTARY LAPSE OF REASON von PINK FLOYD entfaltet 1987 eine kühle Drift der Moderne. Das Album sucht nach Stabilität, löst Strukturen auf und findet neue Flächen. Die Produktion wirkt weitläufig, Gilmour’s Handschrift prägt jede Entscheidung.

Die Arbeiten zu „A Momentary Lapse of Reason“ begannen 1986 unter Bedingungen, die für eine Rockband dieses Formats ungewöhnlich waren. Der juristische Streit mit Roger Waters, die öffentliche Debatte über die Legitimität des Bandnamens und die interne Neuordnung veränderten die Atmosphäre, in der David Gilmour, Bob Ezrin und ein großer Kreis zusätzlicher Musiker an neuem Material feilten. Die Sessions in Britannia Row und den Mayfair Studios wurden früh ergänzt durch ausgedehnte Produktionen auf der Astoria, jenem umgebauten Hausboot, das Gilmour als Studio nutzte. Die technischen Möglichkeiten dort – digitale Steuerungen, synchrone Maschinen, Zugriff auf Fairlight und Synclavier – prägten die klangliche Orientierung des Albums und führten zu jenen breiten, synthetisch gefassten Räumen, die sich später als zentrale ästhetische Signatur herauskristallisierten.

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„Signs of Life“ setzt den Ton. Der Track markiert weniger einen Auftakt als eine vorsichtige Erkundung des akustischen Geländes. Die Wassergeräusche wirken nicht illustrativ, sondern funktional: Sie schaffen ein Fließen, in dem sich die repetitiven Synthesizerflächen einnisten. Diese Bewegung findet in „Learning to Fly“ eine direktere Form. Der Song weist eine helle, fast gläserne Textur auf, getragen von Carins und Gilmours Keyboards, deren Attack und Release klar den digitalen Produktionsästhetiken der späten Achtziger entsprechen. Gilmour’s Gitarrenlinien erscheinen schlank, aber durchdacht geschichtet, ihr Klang eröffnet Höhe, nicht Druck. Im Kontrast dazu steht „The Dogs of War“, dessen marschartige Harmonie eine politisch aufgeladene Szenerie entwirft. Die Drums – teils Mason, teils Sessionmusiker – wirken kantig, fast mechanisch, während das Saxophon den Raum später mit einer raueren Farbe belebt.

Die thematische Klammer bleibt lose, dennoch erkennbar. Wasser, Bewegung, Orientierungslosigkeit, urbane Distanz: Das Album deutet diese Motive eher an, als dass es sie durchkomponiert. Der Surrealismus des Covers – die endlose Folge von Krankenhausbetten am Strand, die klare Horizontlinie, die kühlen Farbübergänge – findet im Album eine klangliche Entsprechung. „One Slip“ nimmt dieses Gefühl von Drift auf, sein Rhythmus präzise, seine Oberflächen glatt, sein textlicher Fokus auf einem Moment, der zwischen Entscheidung und Kontrollverlust oszilliert. Die Produktion bleibt kontrolliert, fast klinisch, doch die Einsätze der Backing Vocals schaffen kurze organische Gegenpole. „Yet Another Movie“ zeigt die Stärken der neuen Arbeitsweise am deutlichsten. Die Synthesizerflächen dehnen den Raum, während Gilmour’s Gitarren punktuell wie Lichtreflexe wirken. 

Die digitale Instrumentierung schafft jene Mischung aus Distanz und Intensität, die das Album prägt. Die kurze Verbindung von „A New Machine“ und „Terminal Frost“ wirkt wie ein struktureller Zwischenbau: eine Hinwendung zu körperloser Stimme, ein anschließendes saxophongetragenes Gleiten, ein Rückzug in maschinische Reduktion. „Sorrow“, zuletzt, verdichtet die zuvor nur angedeutete Schwere. Der Gitarreneinstieg trägt die Spur eines übersteuerten, tief komprimierten Signals, die Drums fassen den Song in einen strengen Rahmen, dennoch entsteht ein weiter Raum, in dem sich die melodischen Linien langsam strecken. Im Rückblick auf die Produktionsphase zwischen 1986 und 1987 lässt sich erkennen, wie groß die Herausforderung für die Gruppe war. Mason und Wright sind beteiligt, doch ihre Funktionen bleiben eingeschränkt, was der Struktur des Albums eine andere Dynamik verleiht. Der Kern liegt bei Gilmour und Ezrin, deren Ansatz mehr auf atmosphärische Räume als auf kollektive Interaktion zielt. 

Diese Arbeitsweise erzeugt ein präzises, digital gefasstes Klangbild, das seine Wirkung aus Balance, Wiederholung und kontrollierter Verdichtung bezieht. Im Ganzen zeigt das Album eine Band, die ihren Ort neu bestimmt, ohne formale Traditionen gänzlich zu verlassen. Die vertrauten Elemente tauchen auf, doch sie erscheinen in einem anderen Licht, digitalisiert, verfeinert, teils von außen ergänzt. „A Momentary Lapse of Reason“ wirkt dadurch weniger wie ein geschlossenes Werk als wie eine sorgfältig ausgearbeitete Klanglandschaft, die ihre innere Kohärenz aus den wiederkehrenden Motiven von Bewegung, Verlust und Distanz gewinnt.

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Eine weite Strandlandschaft, dicht bestückt mit Reihen von Metallbetten, ein einzelner Mensch sitzt auf einem Bett, der Himmel violett, das Meer ruhig im Hintergrund.

Pink Floyd – A Momentary Lapse of Reason

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installation
1987
A Momentary Lapse of Reason
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Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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