Perfume Genius – Too Bright

Mike Hadreas‘ drittes Album als PERFUME GENIUS ist Hadreas‘ bislang extrovertiertestes Album, eine Platte über zerstörerische Illusionen.

Wer „I Decline“, den Eröffnungssong von „Too Bright“ oder den Titeltrack selbst hört, könnte denken, dass sich in der Welt von Perfume Genius wenig geändert hat. Mike Hadreas singt mit geduldiger, melancholischer Süße über stattlichen Klaviernoten und Sepia gewaschenen Saiten, wie er es bei seinen beiden vorherigen Veröffentlichungen getan hat. Aber in den Zwischenräumen zwischen dem Beruhigten und Vertrauten wohnt etwas Glitzerndes, Trotziges und bekennend Merkwürdiges. In gewisser Weise gelangen die intimen, unerschütterlichen Balladen von Perfume Genius zu ihrem logischen Abschluss in „Put Your Back N 2 It“. Durch diese täuschend sanfte Sammlung von Songs gewann Mike Hadreas‘ Songwriting mehr Entscheidungsfreiheit und öffnete gleichzeitig die Tür zu Möglichkeiten, die er bei „Too Bright“ in vollen Zügen erforscht.

Mit Hilfe von Adrian Utley (Portishead) und John Parish (PJ Harvey) verbindet Hadreas seine messerscharfen Beobachtungen mit eingängiger Musik, die ihm noch mehr Reichweite verleiht. Wenn er auf „Put Your Back N 2 It“ gestärkt wurde, ist er jetzt nur umso mächtiger daraus hervorgegangen: Auf dem stattlichen, futuristischen Glam Rock von „Queen“ untergräbt er Homophobie in eine verführerische Waffe, während er singt „no family is safe when I sashay“ als stolzer und räuberischer Monarch. Noch anschaulicher sind auch seine Porträts der Schikanierungen. „Fool“ ist eine beißende Thematisierung des schwulen besten Freundes als ultimatives Accessoire für das Leben einer stilvollen heterosexuellen Frau: „I made your dress/I’m bleeding out/On the couch you bought/That I picked out“ heißt es da zu einem seelenvollen, fingerschnippenden Pop.

Es gibt brillante Einblicke und Bilder, die sich bei mehrmaligem Hören zeigen. Er hat auch sein Aussehen geändert, um es seinem neuen Sound anzupassen. Hadreas‘ Sexualität ist offensichtlich ein großer Teil seiner Arbeit, aber er ist vor allem ein Mensch – einer, der über den Kampf gegen Sucht, Krankheit und Traurigkeit spricht und einer, der die Fähigkeit besitzt, auf eine Weise darüber zu schreiben, die sich universell und einnehmend anfühlt. „Too Bright“ ist ebenso blendend, wie mutig, verletzlich, prägnant und umfangreich.

9.5