Motorama – Calendar

Ich hätte es damals eigentlich nicht für möglich gehalten, dass Motorama einen offiziellen Langspieler in Deutschland veröffentlichen könnten. Aber in solchen Momenten lasse ich mich natürlich sehr gerne eines Besseren belehren und war dementsprechend überrascht, als ich durch Zufall bei der neuen Platte ‚ Calendar ‚ gelandet bin. Zu verdanken habe ich diesen glücklichen Umstand ‚ One Moment ‚ aus dem vorletzten Jahr. airin marchenko (Bass, Keyboard, Gesang), vladislav parshin (Gitarre, Gesang), maksim polivanov (Gitarre, Keyboard), alexander norets (Keyboard, Gesang) und roman belenkiy (Schlagzeug) spielen einen verschneiten new wave der 1980er jahre mit unverkennbaren einfluss der unerreichten joy division. um aktuelle vergleiche heranzuziehen fallen einem die frühen Editors und Interpol ein. Aber eben alles viel entspannter. Die perfekte Medizin für den schnelllebigen Alltag – garantiert ohne Nebenwirkungen. Dementsprechend wurde auch das Artwork bestens inziniert, wenngleich man nach meinem Geschmack die Berge mit einer zarten Schneedecken hätte überziehen müssen. Aber das sind nebensächliche Details am Rande… Es zählen die musikalischen Klänge und damit können Motorama wahrlich die kältesten Herzen für sich erwärmen. ‚ Rose In The Vase ‚ flutet prächtiges Licht sofort mit einleuchtenden Melodien, ist raumgreifend arrangiert, beeindruckend und von einer wundervoll natürlichen Schlichtheit umgeben. Motorama stammen aus Rostov-on-Don, Südrussland, und für mich persönlich war es die erste Band aus dem großen Land, die mich mit den klirrenden Gitarren und dominanten Bassspiel gefügig um den Finger wickeln konnte. Nicht zu vergessen natürlich die belegte Stimme, denn sie erzählt weit darüber schwebend, vom verhinderten Zusammensein und träumerischen Orten. Und das tun Motorama durchgängig in hochstehender Qualität. Derweil verfliegen also die Minuten und ehe man erneut auf die Tracklist sieht, befindet man sich auch schon im achten Stück ‚ Two Stones ‚ und schwelgt weiterhin auf der Parkbank bei ungenierter Hemmungslosigkeit, den eigenen Tagträumen hinterher. Schließt man die Augen, könnte man auch gerade in einer vollbesetzten U-Bahn sitzen – es würde keinen Unterschied machen. Dieses wundervolle entspannte Gefühl ist unbeschreiblich und zugleich doch der liebenswert anmutende Versuch, dem Ansturm der täglichen Belastung mit der Willenskraft nach inneren Ruhe entgegenzutreten. Ein Versuch der gelingt, wenn man sich nur darauf einlassen kann. Am Besten bei erstmaliger Anwendung daheim auf dem Sofa. Die Augen schließen und die Musik von Motorama wird in euch ein wohlklingendes Gefühlsbad entfachen. Und weil es wohl für mich immer das beste Stück der Band sein wird, hier nochmals der Videoclip zum unvergesslichen ‚ One Moment ‚: