MEGHAN TRAINOR A Very Trainor Christmas
Zwischen Doo-Wop-Glimmer und Lametta-Funk: A VERY TRAINOR CHRISTMAS von MEGHAN TRAINOR verbindet familienstolze Eigenkompositionen, souveräne Standards und prominente Features zu einem poppigen Festtagsmix zwischen Tanzfläche und Kamin.
Meghan Trainor nutzt ihr Weihnachtsdebüt als Visitenkarte dessen, was sie seit Jahren kann: eingängige Hooks, retroaffine Arrangements, klare Pop-Produktion. Entstanden in familiärer Werkstatt mit den Brüdern Ryan und Justin und flankiert von Gästen wie Earth, Wind & Fire und Seth MacFarlane, schiebt das Album die Schiebetür zwischen Party und Andacht auf und zu. Der Auftakt „My Kind of Present“ setzt den Ton: Doo-Wop-Schimmer, Handclaps, eine simple, aber tragfähige Idee, die den Fokus weg vom Geschenkpapier hin zur Beziehung legt. Wörtlich wird das mit dem wiederkehrenden Geständnis „You’re my kind of present“ – weniger Kitsch, mehr Statement.
Im Anschluss kleidet „It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas“ den 50er-Jahre-Klassiker in ein hell poliertes, aber respektvolles Soundbild, das Trainor’s Samt-Timbre trägt, ohne den Nostalgie-Reflex totzuproduzieren. Der erste echte Richtungswechsel heißt „I Believe in Santa“ und verschiebt den Schwerpunkt in Richtung R&B-Schichtarbeit und Glockenspiel-Akzente. Der Spagat gelingt, auch wenn die Zuckerkruste gelegentlich dick aufgetragen wird. Bei „Last Christmas“ wählt Trainor die sichere Route: 80s-Synth, Clap-Groove, frei von Ironie – stiltreu genug, um Wham! nicht zu entweihen, eigen genug, um die Playlist zu rechtfertigen.
Danach der Energie-Peak: „Holidays“ mit Earth, Wind & Fire. Sobald Philip Bailey einsetzt und der Bass federnd wird, zeigt das Album seine beste Seite – Funk im Festkleid, tanzbar, mit offenem Grinsen. „It’s a celebration / Get ready for the holi-holi-holidays“: In unter zehn Wörtern ist die Mission erklärt, und der Track liefert sie. Die Eigenkomposition „Christmas Party“ und das Finger-Snap-Stück „Christmas Got Me Blue“ halten das Tempo, ohne in generische EDM-Gebiete zu rutschen; stattdessen kleine Produktionsideen, die charmant nach Hause telefonieren. In der ruhigeren Albumhälfte überzeugen die Standards.
„White Christmas“ im Duett mit Seth MacFarlane balanciert Swing-Eleganz und TV-Tauglichkeit – kein Wunder, dass diese Version auf Adult Contemporary auf die Eins kletterte. „Winter Wonderland“ mit Ukulele und „Sleigh Ride“ im 60s-Anstrich klingen, als hätte Trainor dieses Idiom schon immer bespielt. „Have Yourself a Merry Little Christmas“ und „Silent Night“ bilden das kontemplative Schlusskapitel: Piano, Raum, Atem – und eine Sängerin, die ihre Stimme nicht über, sondern in die Melodie legt. Konzeptionell hält das Cover, was die Musik verspricht: eine in karminrotem Geschenkpapier getauchte Szene – Santa-Mütze, Zuckerstange, Tinsel – Trainor als Regisseurin ihres eigenen Feiertags-Sets.
Dieses Bild spiegelt die Dualität der Platte: maximaler Pop-Glanzeffekt, aber in einem Rahmen, der Tradition mitführt statt übertönt. Nicht jede Idee trägt gleich weit; einzelne Refrains wirken wie für Streaming-Snippets gebaut, und an zwei, drei Stellen riecht die Produktion nach Zuckerguss im Übermaß. Doch unterm Strich entsteht ein konsistentes, wiederabspielbares Weihnachtsalbum zwischen Wohnzimmer und Wohnzimmer-Workout. Wer die Saison lieber tanzt als flüstert, findet hier reichlich Gründe – und wer zwischendurch eine Kerze anzündet, bekommt die ruhigen Kapitel gleich mitgeliefert. „I’ll be home with my love this Christmas“ – diese Zeile fasst die Platte ziemlich gut zusammen: Zuhausegefühl, aber bitte mit Groove.
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